Schlaf tut gut …
Eine meiner Aufgaben sind Gottesdienste im Altersheim. Dort hören manche Menschen aufmerksam zu. Andere können sich nicht mehr lange konzentrieren und darum mache ich meine Predigt kürzer als in der Kirche. In der letzten Zeit zeige ich Bilder und gebe den Leuten meine Gedanken dazu weiter. Vermutlich hilft das gedämpfte Licht, dass der eine Senior oder die andere alte Dame gähnt und ein wenig döst. Die eine Dame sagte zum Abschied trotzdem: «Vielen Dank für die schöne Predigt! Sie hat mir gut getan!» Ja, schmunzeln ist gut und tut gut. Allerdings ist Schlaf nicht der erste Zweck einer Predigt. Und doch – vielleicht ist das seliernst ge Nickerli in der meditativen Atmosphäre dieser Feier genau das, was diese Frau gebraucht hat? Das wäre ja auch etwas. Und zudem dürfen wir mit einem Gott rechnen, der nicht nur den Kopf anspricht. Im Psalm 127 getraut sich ein Frommer zu sagen: «Den Seinen gibt’s der Herr im Schlaf.» Eine andere Übersetzung heisst: «Seinen Freunden gibt er es im Schlaf.» Warum soll man nicht auch im Schlaf etwas von Gottes wohltuender Gnade spüren?