Das Licht ist stärker als die Finsternis!
Advent. Im Alten fängt das Neue schon an. Ohne dass es jemand bemerkt, tief verborgen, hat in der Gegenwart bereits eine neue Zukunft begonnen. Alle anderen Herren gehen, aber unser Herr ist im Kommen. Ich habe die Adventszeit auch deshalb besonders gern, weil ich finde, dass sich da unsere alte und bisweilen etwas müde gewordene Kirche überraschend jung, fast etwas frech gibt. Alle Welt geht auf das neue Jahr zu, um am 31.Dezember den letzten und am 1. Januar den ersten Tag des Jahres zu feiern. Das hat die Kirche dann schon seit einem Monat hinter sich. Im Advent ist für sie Neujahr. Vier Sonntage lang macht sie sich bereit auf die Geburt Christi, blickt zurück, nach vorn und tritt dabei in das neue Kirchenjahr. Niemand wird in diesem Zusammenhang gefragt, ob es ihm passt, dass das Neue kommt, es kommt einfach. Niemand kann das Alte auf Dauer festhalten, es vergeht und die Zukunft, das Neue, kommt unwiderruflich auf uns zu. Der Advent (übersetzt: «Ankunft») ist das einzig Sichere, alles andere wackelt, verschwindet, stirbt und ist vorbei – Advent bedeutet deshalb auch, dass wir uns für das Neue bereitmachen sollen. «Mache dich auf, werde Licht; denn dein Licht kommt, und die Herrlichkeit des Herrn geht auf über dir.» Dieses berühmte Wort des Propheten Jesaja stand und steht am Anfang dieses Neuen, das ganz einfach damit anfängt, dass wir mit Gottes Wirken auch in die dunkelsten und schwersten Verhältnisse hinein zu rechnen beginnen. Durch Gottes Eingehen in unsere Welt, durch die Geburt Jesu Christi, die wir jedes Jahr an Weihnachten feiern, gilt: Das Licht von morgen scheint schon ins Heute hinein. Die Nacht verschwindet und der Tag kommt. Wir dürfen aus Gottes zugesagter Zukunft heraus leben. Und das heisst doch, dass wir uns hier und überall ohne Angst und mit Freude für eine menschliche Zukunft auf dem Planeten Erde mit mehr Gerechtigkeit und Frieden einsetzen dürfen. Und deshalb sind wir auch als kleine Bündner Kirche gerne Teil von weltweiten ökumenischen und interreligiösen Bestrebungen, weil wir dies nur mit anderen zusammen fertigbringen können. Und bei all diesen Bemühungen wissen wir: Es kann nur etwas anders werden, wenn jedes bei sich selber anfängt. Wir können nur um die Kraft und den Mut bitten, immer wieder von Neuem an diesem Werk zu bauen, wie es im folgenden «Gebet der Vereinten Nationen » anklingt, das mir besonders in die Adventszeit zu passen scheint: «Unsere Erde ist nur ein kleines Gestirn im grossen Weltall. An uns liegt es, daraus einen Planeten zu machen, dessen Geschöpfe nicht von Kriegen gepeinigt werden, nicht von Hunger und Furcht gequält, nicht zerrissen werden in sinnloser Trennung der Rasse, Hautfarbe oder Weltanschauung. Gib uns den Mut und die Voraussicht, schon heute mit diesem Werk zu beginnen, damit unsere Kinder und Kindeskinder einst mit Stolz den Namen Mensch tragen.» Reihen wir uns also ein in die lange adventliche Menschenkette, die sich durch alle Zeiten hindurch immer wieder voller Erwartung und Hoffnung auf das Weihnachtsgeschehen vorbereitet hat. Wir dürfen dies tun im Vertrauen auf die Zusage Gottes, die jeden Tag gilt: Das Licht ist stärker als die Finsternis, stärker auch als jede Dunkelheit unserer Tage!