«Fische versänke» und das Selbstvertrauen
Gegen Ende Jahr denke ich jeweils oft an das Züri-West-Lied «Fische versänke». Das, weil es thematisch an einem Nachmittag im November spielt und weil die damalige Single mit einem Adventskalender als Cover erschien. Dieses melancholische Chanson hat in meinem Herzen aber auch sonst einen besonderen Platz, was verwunderlich ist, denn als ich es zum ersten Mal hörte, mochte ich es gar nicht.
Mit Spannung sass ich im Winter 2007 vor dem TV, als die Band Züri West die erste Single vom Album «Haubi Songs» vorstellte. Es waren schon knapp vier Jahre vergangen seit dem Vorgänger «Aloha from», sodass meine Vorfreude auf Nachschub der Berner Mundartband entsprechend gross war. Sven Epiney kündigte sie an und innert weniger Sekunden verwandelte sich meine Euphorie in totale Ernüchterung. Das Lied kam so dermassen gar nicht bei mir an und ich dachte schon, dass ich auch so ein Fan werde, der immer den alten Zeiten nachtrauert. Kurz danach schoss das Lied in die Hitparade und wurde deshalb von Radiostationen in die Rotation genommen. Und jetzt kommen wir zur Kuriosität: Mit jedem Hören gefiel es mir besser. Das Stück gehört auch heute noch zu meinen favorisierten ZW-Liedern. Doch was war passiert? Ich habe den Auftritt in der Sendung anschliessend mehrere Male nochmals angeschaut und konnte ausschliessen, dass sie dort ein anderes Lied gespielt hatten. Mit den Jahren begriff ich: Wenn etwas komplett neu und innovativ ist, kann es sein, dass es am Anfang die Leute so verwirrt, dass es sie abstösst. Irgendwie logisch, denn wer möchte schon gerne etwas nicht begreifen? Aus diesem Erlebnis konnte ich mitnehmen, dass Abneigung bei neuen Dingen nicht immer etwas über die Qualität des Erschaffenen verrät. Es ist durchaus auch möglich, dass das Gegenüber es nicht versteht und deshalb sich durch Ablehnung in Sicherheit bringen will. Das sollte man sich immer vor Augen halten, wenn es mal wieder mit dem Selbstvertrauen nicht klappt.