Weihnachten: Auch in kalter Nacht geborgen
«Stille Nacht, heilige Nacht»: Vor ca. 200 Jahren haben ein katholischer Hilfspfarrer und ein Dorfschullehrer eines der bekanntesten Weihnachtslieder geschrieben. Sie versuchten, das weihnachtliche Gefühl der Geborgenheit auszudrücken. So erfolgreich, dass wenig später sogar die Herzen des russischen Zaren und österreichischen Kaisers davon berührt wurden: «Holder Knabe im lockigen Haar, schlaf in himmlischer Ruh.» An anderen Stellen klingt es weniger festlich geborgen. Das alte Weihnachtslied «Es ist ein Ros entsprungen » endet mit «Sünd und Tod». In «Unser Heiland ist nun da» – das ist im englischsprachigen Raum eines der bekanntesten Weihnachtslieder – heisst es sogar: «Brich des Teufels Macht entzwei.» Als wir mit Konfirmanden diese Lieder anschauten, fragten wir uns: Warum sollte man sich sogar an Weihnachten mit diesen schweren Themen beschäftigen? Wohl schlicht deshalb, weil sie auch an Weihnachten präsent sind. Wie viele schauen dem Fest zwiespältig entgegen – und fragen sich: Was an unangenehmen Themen wird wieder aufkommen, wenn die Verwandtschaft zusammenkommt? Familie kann kompliziert sein. Plötzlich sind einem die dunklen Stellen in den Weihnachtsliedern nicht mehr so fremd.