Von der akuten Digitalisierungsmüdigkeit
Es gibt heute kaum einen Lebensbereich, der ohne Smartphone auskommt. Und doch dünkt es mich, dass uns die allgegenwärtige Überdigitalisierung, ähnlich wie die KI, zunehmend denkfaul macht. Dass man in Graubünden inzwischen nicht einmal mehr mit Bargeld im Bus bezahlen kann, macht mich wütend und zugleich einfach müde.
Kürzlich war ich in einem Laden und wollte etwas kaufen. Der Verkäufer, sichtlich überfordert vom Ansturm, forderte alle Kunden auf, einen QR-Code zu scannen, sich zu registrieren und zu warten. Dazu drückte er mir ein Gerät in die Hand, das aufleuchten sollte, sobald ich an der Reihe war. Der QR-Code führte mich auf eine französisch eingestellte Website, auf der ich unnötig viele persönliche Daten angeben musste. Der Name alleine und eine Telefonnummer schien nicht mehr zu genügen. Nein, es musste unbedingt das ganze Paket sein. Ich bin noch keine 40 Jahre alt, aber in dem Moment fühlte ich mich fast schon abgehängt. Vor allem verstehe ich nicht, weshalb man für jedes noch so kleine Anliegen gleich ein Konto mit sämtlichen Angaben erstellen muss. Ich mag dieses Datensammeln der Grosskonzerne nicht und ich frage mich, wo der gesunde Menschenverstand geblieben ist. Ich bin keineswegs grundsätzlich gegen Digitalisierung. Doch ich sehe nicht ein, warum ich bei jeder Firma, bei der ich jemals etwas erwerbe, ein eigenes Profil anlegen soll. Ich vermisse eine Zeit, in der ein Handschlag noch etwas zählte. Es erschöpft mich, dass digitale Lösungen oft blind übernommen werden. Denn Digitalisierung löst nicht alle Probleme und sollte deshalb in vielen Bereichen kritisch hinterfragt werden. Umso schöner ist es zu sehen, wie viele Menschen gegen die Abschaffung der Barzahlung im Bus demonstrieren. Digitalisierung macht nur dann Sinn, wenn sie das Leben erleichtert. Wenn sie es jedoch zusätzlich verkompliziert und Menschen ausschliesst, ist sie vor allem eines: ermüdend.