Dagegen um jeden Preis?
Ist es Ihnen schon aufgefallen? Es ist wieder Wahljahr, und alle Parteien gehen auf Stimmenfang. Auffällig ist dabei, dass sich einzelne Parteien um jeden Preis in die Medien drängen wollen – notfalls auch dadurch, dass man grundsätzlich gegen alles ist. In meinen Augen schafft das kein Fundament für einen echten Dialog.
Das Muster ist immer dasselbe: Der Kanton veröffentlicht eine Medienmitteilung, und keine halbe Stunde später landet bereits eine Reaktion der Parteien im Postfach der Redaktion. Es ist durchaus positiv zu sehen, dass in Chur gearbeitet wird und sich auch Lokalpolitiker mit den Themen und deren Auswirkungen auf die Region auseinandersetzen. Doch häufig wirken diese Medienmitteilungen wie simples Stänkern gegen «die da oben». Als Augenwischerei empfinde ich es vor allem dann, wenn sich Parteien pauschal gegen alles stellen. Das hat wenig mit dem Anstossen eines konstruktiven Dialogs zu tun. Vielmehr entsteht der Eindruck, dass gezielte Empörung genutzt wird, um möglichst oft medial präsent zu sein und so indirekt Wahlentscheidungen zu beeinflussen. In den sozialen Medien zeigt sich, wie gut diese Strategie funktioniert. «Die da oben machen sowieso, was sie wollen», oder: «Wenigstens traut sich mal jemand, etwas zu sagen», liest man dort immer wieder. Als Journalist bin ich zur Neutralität verpflichtet. Ich kann nur hoffen, dass meine Leserschaft, die ich durchaus für kritisch und reflektiert halte, diese Mechanismen erkennt und nicht unbedacht in den Chor der Empörung einstimmt.