Nichtspieler, Maul halten?
Ist es Ihnen auch schon aufgefallen, dass heute alle zu allem eine Meinung haben und diese auch lautstark kundtun? Ich frage mich oft, wo auf dem Weg die Fähigkeit verloren gegangen ist, wirklich miteinander zu kommunizieren.
Spätestens seit der Corona-Pandemie scheinen wir von Expertinnen und Experten umgeben zu sein. Mich dünkt es oft, dass viele Menschen nicht mehr nach Beweisen suchen, um der Wahrheit näherzukommen, sondern vielmehr, um ihre eigene Wirklichkeit mit passenden Thesen zu untermauern. Es ist bequem geworden, in der eigenen Blase zu leben und Meinungen von aussen gar nicht mehr anzuhören. Auch die künstliche Intelligenz, die heute von vielen Menschen inflationär genutzt wird, ist dabei keine grosse Hilfe. Denn Programme wie ChatGPT prüfen nicht die absolute Wahrheit, sondern verarbeiten und gewichten Informationen, die häufig wiederholt werden. Wenn ich im Internet oft genug behaupte, ich sei ein Bestsellerautor, könnte dieser Eindruck durch reine Wiederholung an Glaubwürdigkeit gewinnen – obwohl ich nie ein entsprechendes Buch geschrieben habe. Repetition ersetzt keine Realität. Das finde ich gefährlich. Was sich jedoch ändern liesse, ist unser eigener Umgang miteinander. Im Internet fühlen sich manche so sicher, dass sie grenzüberschreitend und verletzend auftreten. Sie geben zu jedem Thema ihren Senf dazu – ungefragt und oft unreflektiert. Wäre es nicht wohltuend, wenn wieder mehr zugehört würde? Wenn wir zumindest versuchten, einander zu verstehen, statt einander permanent die eigene Meinung aufzudrängen?