«Wer zahlt, befiehlt? »
Kennen Sie das alte Sprichwort «Wer zahlt, befiehlt»? Mir wird fast übel, wenn ich es höre, denn es vermittelt Werte, die ich meinen Kindern nicht weitergeben möchte und die zudem ziemlich aus der Zeit gefallen sind.
Es ist erstaunlich, wie sehr Macht heute mit Geld gleichgesetzt wird. Man sieht es immer wieder: Je dicker das Portemonnaie, desto grösser die Gefolgschaft und damit auch die Macht. Doch davon lasse ich mich längst nicht mehr blenden. Denn der Kontostand verrät wenig über den Charakter. Die Erfahrung zeigt eher, dass zu viel Geld den Charakter verderben kann. Wer alles hat, neigt mitunter aus Langeweile zu fragwürdigen Machtspielen. Wer zumindest finanziell alle Zügel in der Hand hält, tendiert eher dazu, sich anderen überlegen zu fühlen und sie unterordnen zu wollen. Diese kapitalistische Entwicklung treibt nicht nur die Schere zwischen Arm und Reich weiter auseinander, sondern fördert auch eine Haltung, die in der heutigen Zeit nichts mehr verloren hat. Ich werde hellhörig, wenn jemand mit seinem Lohn angibt, statt sich auf neue Herausforderungen zu freuen. Ich schlucke leer, wenn Menschen glauben, sie könnten sich dank ihres Wohlstands alles erlauben. Meinen Kindern möchte ich andere Haltungen mit auf den Weg geben. Denn ich finde Liebe, Wertschätzung und ein friedliches Miteinander sehr viel wichtiger als Papier mit Zahlen darauf. Geld ist ein notwendiges Übel, doch wahre Zufriedenheit muss von innen kommen.