Ich arbeite, also bin ich?
Kolumnen, Region
11. April 2026
Kolumnen

Ich arbeite, also bin ich?

Die Antworten sind oft ähnlich, wenn man jemanden fragt, wer er oder sie ist. Viele erzählen zuerst, wo sie angestellt sind, was sie beruflich machen und vielleicht noch, wie viele Personen ihnen unterstellt sind. Viel seltener erfährt man jedoch, was einen Menschen wirklich ausmacht. Das stimmt mich nachdenklich.

Text: Christian Imhof  

Das Videoformat des SRFJournalisten Donat Hofer gefällt mir sehr gut. Der Berner geht, begleitet von einem Kameramann, auf Menschen zu und spricht mit ihnen über das Leben. Ganz ungezwungen entstehen dabei Biografien, die unter die Haut gehen. In Erinnerung geblieben sind mir nicht nur ein Gespräch, in dem vor allem gemeinsam geschwiegen wurde, sondern auch die Begegnung mit einem Buschauffeur. Auf Hofers Frage, wer er sei, antwortete dieser mit einer Aufzählung seiner Ausbildungen und seines beruflichen Werdegangs. Der Journalist hakte nach und wollte wissen, was ihn als Menschen ausmache. Er habe schliesslich nicht gefragt, was er beruflich tue. Das erinnerte mich an ein Treffen mit einem ehemaligen Mitschüler vor ein paar Jahren. Auch er sprach voller Stolz von seiner leitenden Funktion bei einer grossen Firma im Ausland und davon, wie viele Mitarbeitende er führe. Erst viel später, als ich gezielt nachfragte, erwähnte er auch seine Kinder. In diesem Moment wurde mir klar, dass ich das für mich nie so will. Die Arbeit ist selbstverständlich ein wichtiger Teil meines Lebens. Viel wichtiger ist für mich aber, wie achtsam ich mit der Zeit umgehe, die ich mit meinen Liebsten verbringen darf. Kinder erinnern sich später kaum daran, ob das Konto am Ende des Monats gut gefüllt war. Woran sie sich jedoch mit Sicherheit erinnern, ist, wie sie sich gefühlt haben, wenn sie Zeit mit mir verbracht haben. Jobs, Geld und Erfolge kommen und gehen. Doch die prägenden Jahre der eigenen Kinder sollte man um keinen Preis verpassen.

Verwandte Artikel
Graubünden, Region
Graubünden
Text: afu 
Oktober 24, 2026
Wie die Standeskanzlei Graubünden mitteilt, plant die Regierung an der Ringstrasse 2 in Chur einen Neubau der Kantonspolizei. Dieser soll das Kommando...
Eine Stunde zurück und viele Folgen
Region
Region
In der Nacht auf morgen werden die Uhren um eine Stunde zurückgestellt. Während wir eine Stunde Schlaf gewinnen, bleibt die Diskussion über Sinn und Unsinn der Zeitumstellung bestehen. Wie sinnvoll ist sie heute noch, welche Folgen hat sie für unsere Gesundheit und warum ist ihre Abschaffung in Europa so schwierig?
Text/Foto: Anita Fuchs/ Pixabay ? anncapictures 
Oktober 24, 2026
Um 3.00 Uhr werden die Uhren auf 2.00 Uhr zurückgestellt. Die Sommerzeit endet, die Normalzeit gilt wieder. Im Volksmund ist meist von der Winterzeit ...
Auto mehrheitlich ausgebrannt
Herrschaft, Region
Herrschaft
Am Mittwochnachmittag geriet beim Autobahnanschluss Landquart ein Auto in Brand. Während der Löscharbeiten kam es auf der A13 zu Verkehrsbehinderungen.
Text/Foto: kapo 
Oktober 24, 2026
Ein 34-jähriger Automobilist fuhr gegen 15.30 Uhr beim Anschluss Landquart auf die A13 in Richtung Chur ein. Während der Beschleunigung leuchteten ver...
Brückenbau in Graubünden
Prättigau, Region
Prättigau
Bereits zum 16. Mal darf der Verein Salginatobelbrücke Schiers zu einem Vortragsabend ins Bildungszentrum Palottis Schiers einladen.
Text/Fotos: Christian Wilhelm/zVg 
Oktober 24, 2026
Graubünden ist geprägt von tiefen Tälern, steilen Hängen und anspruchsvollen geologischen Verhältnissen. Entsprechend vielfältig sind auch die Brücken...
Region, Region Landquart
Region Landquart
Die Stiftung ÖKK unterstützt den Aufbau des Geburtshauses Graubünden in Chur mit 100 000 Franken. Damit stärkt sie die regionale Gesundheitsversorgung und erweitert die Wahlmöglichkeiten für werdende Familien.
Text: Anita Fuchs 
Oktober 24, 2026
Das Geburtshaus an der La-Nicca- Strasse in Chur wurde von den Hebammen Sara Coray, Angelica Signer-Urech und Domenica Diethelm initiiert. Es ist auf ...
Über die Berge in die Freiheit und ins Ungewisse
Prättigau, Region
Prättigau
Teils über verschneite Pässe flohen Menschen von 1938 bis 1945 vor der nationalsozialistischen Verfolgung in die Schweiz. Holger Finze aus Zizers arbeitete 175 Fluchtgeschichten aus dem Prättigau auf. Sein Buch «Flucht über die Berge ins Prättigau» macht vergessene Schicksale sichtbar – und wirft Fragen auf, die bis in die Gegenwart reichen.
Text/Fotos: Anita Fuchs/zVg 
Oktober 24, 2026
Sie flohen vor Verfolgung und Tod. Teils über verschneite Pässe versuchten Menschen, aus dem nationalsozialistischen Machtbereich in die Schweiz zu ge...