Kolumnen, Region
13. Mai 2026
Kolumnen

Gesellen sie sich doch nicht gern?

Kennen Sie das Sprichwort: «Gleich und gleich gesellt sich gern»? In eine ganz andere Richtung geht das Sprichwort: «Gegensätze ziehen sich an.» Ich bin im Moment etwas unschlüssig, welchem der beiden ich mehr Glauben schenken soll.

Text: Christian Imhof  

Es war ein warmer Sommerabend, als ich mit einem Kollegen spazieren ging. Wir sprachen über Gott und die Welt und, wie es sich gehört, auch über Literatur. Da er bei all seinen Projekten eng mit einem Beizer zusammenarbeitet, fragte ich ihn, weshalb er nicht auch noch einen Veranstalter aus demselben Dorf mit ins Boot hole. Für mich war es vollkommen schlüssig, dass zwei Menschen mit ähnlichen Interessen und demselben Spirit irgendwann zusammenfinden. Schliesslich heisst es auch: «Was zusammengehört, findet zusammen. » Doch relativ schnell gab mir der Kollege zu verstehen, dass die beiden, obwohl sie ähnliche Veranstaltungen auf die Beine stellen, im selben Ort wohnen und sich sogar äusserlich nicht unähnlich sind, nie gemeinsame Sache machen werden. Der Grund: Sie mögen einander schlicht nicht. Ich dachte mir nicht viel dabei und fand es einfach schade. Für mich war es eine verpasste Chance, viel Potenzial, das durch eine mögliche Kollaboration ungenutzt blieb. Als es kürzlich an die Organisation der Herbstlese-Tour für «Graubünden schreibt» ging, schrieb ich einfach alle an. Da ich kein nachtragender Mensch bin, wandte ich mich auch an eine grosse Institution im Kanton und bat um einen Termin. Wie schon das grosse Interview mit derselben Person vor einem Jahr ging auch die Organisation des Lesetermins gründlich in die Hosen. Denn wie das Leben nun einmal so spielt, hatten die von der Institution gewünschten Schreibenden leider keine Zeit. Die Ersatzlesenden konnten die Lücke nicht füllen, weshalb wir gemeinsam entschieden, das Ganze abzusagen. Aus diesem Erlebnis habe ich gelernt, dass Sprichwörter nicht immer das echte Leben abbilden. Und dass es sich lohnt, sich an dem zu freuen, was klappt, statt ständig dem nachzutrauern, was nicht passt.

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