9000 km, 18 Kilo Gepäck und ein Velo namens Kunigunde
Flurina Gruber aus Klosters ist während acht Monaten allein mit dem Fahrrad durch Südamerika geradelt. Jetzt steht sie in der Aula ihres alten Schulhauses und erzählt davon. Ruhig, selbstironisch und so, als wäre das alles gar nicht so wild gewesen. Dabei war es das durchaus.
In der Aula des Schulhauses Klosters Platz steht an diesem Samstagabend ein bepacktes Reisevelo neben einem aufgebauten Zelt. Olivgrün, sichtbar beansprucht, davor säuberlich aufgereiht: Kocher, Werkzeug, Flickzeug, Solarpanel, Powerbank. Das gesamte Hab und Gut von acht Monaten, ausgebreitet auf dem Hallenboden. Flurina Gruber, 27, steht dazwischen, salbeigrünes T-Shirt, dunkle Hose, kurze Haare, breites Lachen. Die Oberstufenlehrerin, die vor der Reise Stelle und Wohnung kündigte, hat sich verändert. Die Haare hat sie sich in einem Dorf in Bolivien auf fünf Millimeter rasiert. «Wenn nicht jetzt, wann dann?», habe sie sich gesagt. Von da an hätten auch die südamerikanischen Männer eher von ihr abgelassen, fügt sie an und die Leute im Saal lachen. Rund hundert Besucherinnen und Besucher sind gekommen. Sie füllen die Aula bis in die hinteren Reihen. Flurina zeigt Bilder, und was für Bilder: schneebedeckte Sechstausender, ein Zelt am Flussufer bei Sonnenuntergang, eine verschlammte Passstrasse auf über 4800 Meter über Meer, dreckige Füsse in Birkenstocksandalen. Immer wieder geht ein Raunen durch die Reihen. «Wow», «schön», «iidrücklich dia Landschafta» oder auch einfach «Krass». Die Klosterserin erzählt dazu frei, nennt Ortschaften, Passhöhen und Distanzen aus dem Kopf, als hätte sie den Vortrag wochenlang einstudiert. Hat sie nicht. Die letzte Folie hat sie zehn Minuten vor Beginn fertiggestellt.