Marietta Kobald-Walli: «Ich bin ein Glückskäfer»
Marietta Kobald-Walli gehört dank ihrer Vielseitigkeit seit vielen Jahren zu den prägenden Kulturvermittlerinnen im Prättigau. Nachdem es in den vergangenen zwei Jahren etwas ruhiger um die Strahleggerin geworden war, sprüht sie heute wieder vor Ideen. Die zweite Chance, die ihr das Leben gegeben hat, nutzt sie bewusst für jene Dinge, die ihr wirklich am Herzen liegen.
Während viele Familien über die halbe Welt verstreut leben, ist die Familie Walli stark mit dem Prättigau verwurzelt. «Meine beiden Schwestern Ursi und Burga wohnen wie ich immer noch in Strahlegg. Der älteste Bruder Ruedi lebt in Küblis, mein jüngerer Bruder Andres in Fideris», erzählt Marietta Kobald-Walli. Zwar sei die Familie ausgesprochen heimatverbunden, doch es gebe auch Ausnahmen: «Zwei Kinder eines Onkels meines Vaters sind nach Kanada ausgewandert. » Marietta lebt mit ihrem Mann Fridel im Stammhaus der Familie Walli unterhalb des Kinderheims in Strahlegg. «Wir sind gerne hier. Es zieht uns nicht wirklich weit fort.» Sie relativiert jedoch ihre Aussage: «Tochter Antonia ist vor über drei Jahren ausgewandert, sie ist Italienerin, wohnt und arbeitet in der Nähe von Ancona.» Zwischen Sägemehl und Streichen In diesem Haus entstand auch die Idee, mit Holz ein Unternehmen aufzubauen. Die heutige Ruwa wurde 1932 von ihrem Grossvater Rudolf «Ruetsch» Walli gegründet. Für den Bau seines Hauses sägte er zunächst selber Holz auf und erweiterte den Betrieb später um eine Werkstatt. «Von da an hat er Häuser gebaut, ‘gholzet’ und gesägt.» Nach seinem frühen Tod im Jahr 1959 übernahmen Mariettas Vater Rudolf und dessen Bruder Marco die Sägerei. Gemeinsam bauten sie den Betrieb weiter aus. «Marco machte sich ein, zwei Jahre später als Schnitzer und Skilehrer selbstständig. Danach führte mein ‘Ätti’ den Betrieb weiter.» Die Kinder waren im Familienbetrieb stets präsent. «In der Freizeit gingen wir fast immer nach Dalvazza zur Sägerei und heckten dort Streiche aus.» Besonders lebhaft erinnert sie sich an die Fallen im Sägemehl: «Wir gruben Löcher, deckten sie mit ‘Spriesselabschnitten’ zu und streuten wieder Sägemehl darüber, damit der Sager Andris Disch hineinfallen würde.» Neben den lustigen Erinnerungen gehörte aber auch harte Arbeit dazu. «Früher hatten die Fräsen keine Absaugung. Das Sägemehl voller Holzstücke mussten wir in den Sommerferien aussortieren, damit man es zuhause verheizen konnte.» Nicht immer habe ihr diese Arbeit gefallen, schon gar nicht bei Hitze und begleitet von grossen Rossbremsen. Trotzdem verbindet sie mit dieser Zeit viele schöne Erinnerungen. Geschäftsfahrten wurden oft mit Familienausflügen verbunden. «Wir gingen irgendwo etwas ausmessen oder profilieren und machten unterwegs ein Picknick.» Eine starke Mutter und turbulente Jahre