«Wenn wir Wissen nicht weitergeben, ist es verloren»
Seit 1925 ist das Nutli Hüschi in Klosters offiziell ein Museum. Geschichte wird hier greifbar. Für Museumsleiterin Andrea Flütsch ist genau das der Kern ihrer Arbeit: Geschichte nicht nur aufzubewahren, sondern sie weiterzugeben.
Seit vier Jahren gehört Flütsch zum Museumsteam. «Ich habe zuerst ein Jahr die Museumsbetreuung gemacht. Nach einem Jahr habe ich dann die Leitung übernommen », erzählt sie. Dass ausgerechnet sie diese Aufgabe übernahm, war zunächst nicht selbstverständlich. «Ich bin die Jüngste und als Letzte zum Team gestossen. » Zwei ihrer Kolleginnen seien schon gegen 20 Jahre dabei. Doch die Leitungsfunktion wollte keine von ihnen übernehmen. «Dann habe ich gesagt: Gut, dann probiere ich es.» Heute besteht das Team aus vier Frauen. Jede übernimmt Museumsbetreuung und Führungen, alle vier kümmern sich um den laufenden Betrieb und das traditionelle Backen. Von Ende Juni bis Oktober entstehen jeweils am Freitag Brot und Zöpfe im Holzofen. Auch Ziviltrauungen in der historischen Stube gehören zum Museumsalltag. «Die vier Teammitglieder bringen unterschiedliche Stärken ein und ergänzen sich gut. Für mich als Leiterin ist mir ein engagiertes, verlässliches Team im Rücken wichtig. Ein Team, das die Verantwortung mitträgt und sich gegenseitig unterstützt, trägt zum Erfolg des Museums bei.» Mit der Leitung ist für Flütsch einiges an Arbeit verbunden, das Gäste kaum sehen. «Es ist administrieren, organisieren und koordinieren», sagt sie. Reservationen, Einsatzplanung, Rechnungen und Budget gehören dazu. Auch die digitale Präsenz ist inzwischen Teil der Arbeit. «Die Website betreue ich, und mit Instagram habe ich auch angefangen. » Geschichte als Herzensanliegen Was Flütsch antreibt, ist jedoch nicht die Administration. «Mir ist unheimlich wichtig, dass man ein Stück unserer Herkunft und unserer Geschichte als Walser bewahrt und weitergibt.» Gerade dieses Weitergeben bezeichnet sie als ihr «Herzensanliegen». Denn mit jeder Generation verschwinde Wissen, das früher von älteren Menschen weitergegeben worden sei. «Wenn wir das Wissen über unsere Herkunft der nächsten Generation nicht weitergeben, dann ist es verloren.» Immer wieder habe es ältere Menschen gegeben, bei denen sie im Nachhinein gedacht habe: «Den hätte ich unbedingt noch fragen müssen.» Solches Wissen dürfe nicht verloren gehen.