«Mittlerweile bin ich fast Teilnehmer am Leben»
Beat Jenni hat nie den klassischen Weg zum Künstler eingeschlagen. Er studierte keine Kunst, plante keine Karriere und tat sich lange schwer damit, seine Bilder überhaupt herzugeben. Trotzdem lebt der Schierser seit Jahrzehnten von und mit seiner Kunst. Im neuen Podcast «Lebenslinien» erzählt er von ersten Aufträgen, Berliner Jahren, Kunst im Luxushotel und davon, weshalb er mit bald 60 Jahren das Leben anders betrachtet als früher.
Dass Kunst einmal sein Leben bestimmen würde, war für Beat Jenni nicht von Anfang an ein klar formulierter Plan. Gezeichnet und gemalt habe er zwar schon früh, gleichzeitig habe er lange nicht gewusst, was er beruflich machen wolle. Also ging er an die Evangelische Mittelschule Schiers. Die Kunst blieb dabei stets präsent. Leute aus seinem Umfeld wurden auf seine Arbeiten aufmerksam, bestellten Porträts und andere Bilder. «Dann habe ich halt ein paar Rappen dafür bekommen.» Eine klassische künstlerische Ausbildung folgte trotzdem nicht. Ein Zeichenlehrer meinte einmal, Jenni solle sein Nachfolger werden. Das sei jedoch nie sein Ziel gewesen. Prägend war für ihn vielmehr die internationale Atmosphäre im damaligen Internat in Schiers. Er lernte Jugendliche aus dem Iran, dem Irak, Afghanistan und anderen Ländern kennen. «Das hat mir wirklich die Welt geöffnet. » Einige Freundschaften bestehen bis heute. Nach der Schulzeit stellte sich dennoch die Frage nach einem «rechten» Beruf. Sein Vater habe kurz versucht, ihn in diese Richtung zu bewegen. Jenni überlegte pragmatisch, welche Ausbildung möglichst kurz wäre. Doch wirklich eine Lehre abgeschlossen hat er nie. Entscheidend für seine Entwicklung war, dass die Familie ihm Rückhalt gab. «Ich hatte immer ein Dach über dem Kopf, immer etwas zu essen. Egal, ob ich etwas verdient habe oder nicht.» Sein Vater sei selbst künstlerisch tätig gewesen, habe aber zu seiner Zeit nicht gewagt, alles auf diese Karte zu setzen. Dem Sohn ermöglichte er hingegen genau das. Der fehlende finanzielle Druck bedeutete allerdings nicht, dass Jenni von Beginn weg gut vom Verkauf seiner Werke leben konnte. Es gab Zeiten mit sehr wenig Geld. Damit habe er erstaunlich wenig Mühe gehabt. Wenn kein Geld für Zigaretten da gewesen sei, habe er eben nicht geraucht.
