«Ich habe einfach immer noch Freude am Zeichnen»
Nach Jahrzehnten im grafischen Gewerbe wagte Rolf Giger den Schritt in die Selbstständigkeit. Heute arbeitet der Bündner Zeichner und Karikaturist in seinem Atelier in Chur. Im Podcast «Lebenslinien » spricht er über seinen ungewöhnlichen Berufsweg, die Herausforderungen als Künstler und darüber, weshalb ihm künstliche Intelligenz keine Angst macht.
Seine Leidenschaft für das Zeichnen begann schon in der Kindheit. «Mein Papa hat ein Blatt genommen und darauf ein paar Punkte gemacht. Wir mussten sie verbinden und erraten, was daraus entsteht», erinnert sich Rolf Giger. Oft hätten die Kinder erst beim Verbinden der letzten Punkte erkannt, welches Motiv sich dahinter verbarg. Für Giger war dies eine spielerische Einführung in die Welt der Formen und Linien. Schon früh wollte er einen kreativen Beruf erlernen. Zunächst schwebte ihm eine Ausbildung zum Maler vor, später interessierte er sich für den Beruf des Goldschmieds. «Ich habe immer gerne ganz kleine, filigrane Sachen gemacht », erzählt er. Dazu gehörten beispielsweise selbst gebastelte Miniaturmöbel für eine Modelleisenbahn. Schliesslich führte ihn sein Weg in die grafische Branche. Weil Lehrstellen als Grafiker in Graubünden rar waren, entschied er sich für eine Ausbildung zum Serigrafen, also zum Siebdrucker. Ein Beruf, der damals viel gestalterisches Geschick erforderte. «Wir haben wirklich viel selber gemacht. Druckvorlagen wurden zum Teil noch von Hand mit einem feinen Messer ausgeschnitten.» Seine zeichnerischen Fähigkeiten fanden bald auch beruflich Verwendung. Den ersten Auftrag erhielt Giger bereits mit 13 Jahren von der Kantonspolizei Graubünden. Für eine interne Präsentation zeichnete er Illustrationen zu verschiedenen Abteilungen. Später arbeitete er während rund 20 Jahren im Layout einer Zeitung. Dort begann er, freie Flächen mit eigenen Zeichnungen zu füllen. «Ich habe immer gefunden, die gleichen langweiligen Füller müssen nicht sein. Also habe ich einfach einmal eine Zeichnung gemacht.» Aus diesen ersten Versuchen entwickelten sich weitere Aufträge. Giger illustrierte Weihnachtsbeilagen, gestaltete Comics und veröffentlichte Karikaturen in verschiedenen Publikationen. Später arbeitete er 16 Jahre in einer Papierfabrik, wo er Wasserzeichen für Sicherheitspapiere zeichnete. Das war eine sehr anspruchsvolle und sehr schöne Arbeit, den Prozess von der Zeichnung bis ins Papier mitverfolgen zu können. Vor bald 30 Jahren zeichnete er auch für den «Bündner Jäger». Dabei gingen ihm die Ideen nie aus, obwohl er anfangs genau das befürchtete. «Ich habe immer gedacht, irgendwann habe ich doch alles gezeichnet.» Heute besitzt er noch Skizzen aus seinen Anfangsjahren, die er bisher gar nicht umsetzen konnte. «Es kommt immer wieder etwas Neues dazu.» Ein Neuanfang nach 50