Ein Monat wie ein Gleichnis
Karin Last, Sozialdiakonin in Landquart, Luzein Pany und St. Antönien Der November in den Bergen hat einen eigenen Charakter. Er drängt sich nicht auf, er prahlt nicht mit Farben. Er kommt leise, manchmal grau, manchmal von einem goldenen Licht durchzogen. Wer in diesen Tagen frühmorgens unterwegs ist, sieht den Atem in der Luft stehen. Der Frost glitzert auf den Wiesen, die Berge sind wie mit feinem Zucker bestäubt. Es ist eine stille Zeit, und gerade deshalb eine ehrliche. Die Natur zieht sich zurück, ohne zu klagen. Sie weiss, dass die Ruhe kein Ende ist, sondern ein Anfang. Unter der scheinbar leblosen Oberfläche arbeitet das Leben weiter, tief unten im Verborgenen. Die Wurzeln ruhen nicht, sie bereiten sich vor. Das gefällt mir am November. Er ist wie ein Mensch, der schweigt, weil er nach innen hört.