«Graubünden hat eine Webvergangenheit»
Domenica Flütsch schreibt gerne über Genuss, Tradition und Heimat. Dazu passt, dass sie sich bei den Landfrauen und in der Webstube in Zizers engagiert. In dieser schnelllebigen Zeit, sagt sie, ziehe sie sich gerne in ihre «Zeitkapsel» zurück: Zeit zum Entschleunigen.
Domenica Flütsch schreibt gerne über Genuss, Tradition und Heimat. Dazu passt, dass sie sich bei den Landfrauen und in der Webstube in Zizers engagiert. In dieser schnelllebigen Zeit, sagt sie, ziehe sie sich gerne in ihre «Zeitkapsel» zurück: Zeit zum Entschleunigen.
Das Weben, verrät Domenica Flütsch im Gespräch, sei zwar nicht ihr Beruf, aber schon so etwas wie ihre Berufung. Eine, auf die sie eher zufällig stiess. Als sie mit ihrem damaligen «Schatz» nach Zizers umgezogen sei, erzählt sie, habe sie dort den Herbstmarkt besucht: «Da hatten die Zizerser Landfrauen einen Stand. Ich bin fast ausgeflippt, weil ich das so schön fand.» Schon lange habe sie davon geträumt, selbst einmal das Weben zu lernen, und da sei ihr angeboten worden, dass sie doch mal vorbeischauen sollte: «Tja, ich bin hingegangen und dann hat es mir echt den Ärmel reingezogen. » Es habe gut gepasst, die Landfrauen seien Ende der 2010er-Jahre gerade auf der Suche nach jüngeren Mitstreiterinnen gewesen: «Ganz junge Frauen gewinnt man erst, wenn man die Brücken schon gebaut hat», ist sich Flütsch sicher.
Die präzise Sprache geht verloren Domenica Flütsch ist Redaktionsleiterin des Magazins «Graubünden Exklusiv», und als solche zieht es sie regelmässig zu Themen hin, die sich um die Heimat drehen: «Ich glaube, das hat viel mit Identität zu tun. Ich habe eine aufrichtige Liebe zu und eine Begeisterung für unsere Heimat.» Die habe sie wohl in die Wiege gelegt bekommen: «Das und auch die Geschichte der Gegend haben mich immer schon fasziniert. Ich habe beispielsweise viel lieber historische Romane statt Science-Fiction-Geschichten gelesen.» In Graubünden, sagt Flütsch, sei vieles miteinander verwoben: «Viel von unserer Geschichte hat mit unseren Traditionen zu tun oder mit dem, was früher mal aufgebaut wurde. Da wäre es manchmal schön, wenn man etwas mehr davon mitnehmen könnte.» Dabei sei sie gar nicht eine von denen, die fänden, dass früher alles besser gewesen sei und man krampfhaft an allem festhalten müsse: «Ich wünsche mir einfach, dass das alles heute ein bisschen mehr mitleben würde und nicht ganz vergessen geht.» Das ist Flütsch auch bei der Sprache ein Anliegen: «Ich habe ältere Ausdrücke gern und pflege auch eine Sprache, die wertschätzend ist. Ich reagiere ziemlich allergisch auf Anglizismen und auch auf viele moderne Wörter.» Die seien oft einfach platt, sagt Flütsch: «Ich rege mich zum Beispiel auf, wenn man in Graubünden sagt, dass man essen gegangen ist und es richtig ‘lecker’ war. Meine Muttersprache ist Mundart und nicht Hochdeutsch. Ich möchte meinen Dialekt behalten, meine Mundart hat ‘herzige’ Worte.» Die ursprüngliche Sprache derart zu «nivellieren », das findet Domenica Flütsch schade: «Dabei gehen viele präzise Worte, Ausdrücke und Formulierungen verloren – wir sollten wirklich sorgfältig mit der Sprache umgehen.»
Vom Psychologiestudium über die PR zum Schreiben
Darum heisse ihre Kommunikationsfirma auch «Prezios». «Für mich sind Geschichten Schmuckstücke, die es mit Sorgfalt zu behandeln gilt. Wenn man irgendwo gräbt, etwas findet und daran schleift, erhält man richtig schöne Schmuckstücke. » Zur Kommunikation kam Domenica Flütsch über Umwege. Zuerst studierte sie pädagogische Psychologie, brach das vor dem Lizenziat ab – ein Wegbereiter, sagt sie, sei das Studium aber dennoch gewesen: «Dort arbeitete ich bei Schulforschungsprojekten mit, zuerst als studentische Hilfskraft, dann als Projektmitarbeiterin und Leiterin.» Bei einer grossen internationalen Studie, die mit fünf Ländern unter der Leitung der USA abgeschlossen wurde, organisierte sie die Medienkonferenz: «Damit hatte ich im Bereich Kommunikation und PR schon einen Fuss in der Tür.» Bei der Neuorientierung half eine Bekannte aus Zürich, die ein Kommunikationsbüro in der Luxusbranche führte: «Sie hat mitgekriegt, was ich so mache, und dann mal gefragt, ob das nicht auch etwas für mich wäre», erzählt Domenica Flütsch. Mal zum Polo nach St.Moritz oder zur Uhrenmesse nach Genf zu gehen, das habe sie schon gereizt: «Ich habe dann aber relativ lange beides gemacht. Ich hatte eine Dozentenstelle an der Fachhochschule Nordwestschweiz und habe dort noch die letzten Studien mitbegleitet für die Uni. Daneben habe ich tageweise bei ihr in der Agentur gearbeitet. » Irgendwann sei es dann doch schwierig geworden, alles unter einen Hut zu bringen, erinnert sich Domenica Flütsch: «Die Kollegin ging damals schon in Richtung Pension und signalisierte, dass ich bei Interesse mehr einsteigen oder gar die Agentur übernehmen könnte.» Domenica Flütsch sagte zu. Gerade hatte sie sich von ihrem Lebenspartner getrennt, sie musste und wollte