Wie geht es weiter mit dem Verbindungstunnel?
Prättigau
10. November 2025

Wie geht es weiter mit dem Verbindungstunnel?

Die Meldung, dass der Bundesrat den Eisenbahntunnel zwischen Fideris und Küblis aufgrund einer ETH-Studie als ein Projekt mit nur geringem Nutzen klassifiziert, hat bei Markus Zoja alte Erinnerungen geweckt. Denn das Projekt beschäftigt den Klosterser schon mehr als ein halbes Jahrzehnt. Doch es scheint, dass Bemühungen zur Optimierung der Situation beim Astra und auch beim Bund häufig auf taube Ohren stossen.

Die Meldung, dass der Bundesrat den Eisenbahntunnel zwischen Fideris und Küblis aufgrund einer ETH-Studie als ein Projekt mit nur geringem Nutzen klassifiziert, hat bei Markus Zoja alte Erinnerungen geweckt. Denn das Projekt beschäftigt den Klosterser schon mehr als ein halbes Jahrzehnt. Doch es scheint, dass Bemühungen zur Optimierung der Situation beim Astra und auch beim Bund häufig auf taube Ohren stossen.

Es hatte so gut ausgesehen: Mitte September 2014 gab der Bundesrat bekannt, dass das generelle Projekt für den Bau des letzten Teilstücks von 3,5 km Länge zwischen den Anschlüssen von Fideris/ Jenaz und Küblis/Dalvazza genehmigt wird. Nach Abschluss des Projekts wird der Lokal- und Langsamverkehr über die bestehende Strasse und der Transitverkehr über die neue Nationalstrasse geführt. Doch und dann doch nicht

Es hiess, der Baustart erfolge frühestens ab 2027. Die Kosten für das Strassenprojekt belaufen sich nach Berechnungen auf 156 Millionen Franken, die Kosten für den Bahnanteil auf 169 Millionen Franken. Es klang alles zu gut, um wahr zu sein. Neben dem Bau eines neuen Nationalstrassenteilstücks, welches der Bundesrat genehmigt hatte, werde die Rhätische Bahn künftig in einen Tunnel geführt. Dadurch würden Geschwindigkeiten bis zu 120 km/h ermöglicht, wodurch der Fahrplan stabilisiert werden könne. «Das neue Nationalstrassenteilstück und die bestehende Strasse verbleiben im Talboden und werden neu trassiert», hiess es damals aus Bern. Der Bau der neuen Strasse führe zudem zu einer Verkehrsentflechtung: Mit dem Bau des neuen Teilstücks könne der Langsamverkehr künftig über die bestehende Strecke geführt werden. Dies führe zu einer Erhöhung der Verkehrssicherheit aller Verkehrsteilnehmenden. Weiter werde mit dem Projekt der Schutz vor Naturgefahren (zum Beispiel Steinschlag) erhöht und die heutige Beanspruchung des Gewässerraums reduziert. Doch dann hatte der Bundesrat die ETH beauftragt, Ausbauprojekte von Strassen und Schienen nach ihrer Wichtigkeit und Wirtschaftlichkeit zu bewerten. Für Graubünden fiel das Ergebnis laut einem Bericht des «Regionaldiensts Ostschweiz» im Oktober ernüchternd aus: Nur wenige Vorhaben haben realistische Chancen auf Umsetzung. Bei den Projekten, die nur einen geringen Nutzen haben, wurde auch der Tunnel aufgelistet.

Es geht auch günstiger

Diese Meldung sorgte für gemischte Reaktionen: In Fideris jubelten einige, da durch den Entscheid das Restaurant Au noch ein paar Jahre länger erhalten bleiben wird. Bei vielen Menschen im Tal blieb aber ein Unverständnis hängen. Wie konnte es denn bitteschön sein, dass ein paar Studierte an der ETH darüber entscheiden können, welche Projekte im Tal lohnenswert sind und welche nicht? Einer, der die Bevormundung der Menschen im Tal auch nicht ausstehen kann, ist der Klosterser Markus Zoja. Er versteht nicht wirklich, weshalb die Bevölkerung nicht miteinbezogen wird bei solchen Geschichten. Bereits 2019 hatte er einen Plan skizziert und diesen dem Tiefbauamt Graubünden und dem Astra zukommen lassen. Statt einem langen Tunnel nur für die RhB, wie es im Projekt vorgesehen war, schlug er vor, das Ganze thematisch breiter anzulegen. «Die drei Felspartien zwischen Fideris-Station und dem Arieschbach werden mit drei relativ kurzen Tunnels durchstochen, durch welche die Strasse geführt wird.» Durch diese Massnahmen könnte die Linienführung begradigt werden. «Die drei Strassentunnels weisen Längen von 120 m, 180 m und 220 m (taleinwärts betrachtet) auf. Diese Durchstiche wären relativ einfach zu realisieren, sowohl im zeitlichen Rahmen wie auch in technischen Belangen.» Weiteres Sparpotenzial sieht Zoja bei der RhB. Denn für die RhB-Linienführung könne auf die vorgesehene, gross angelegte Tunnelvariante verzichtet werden. «Mit der Verlagerung der Strasse bergwärts wird mehr Raum für die RhB-Linie geschaffen. Die Linienführung kann linksufrig der Landquart belassen und näher an den Hang geführt werden. Auch hier denkt Zoja, dass eine Variante mit drei Kurztunnels kostengünstiger wird, als wenn auf einen langen gesetzt wird.

Die Bevölkerung muss sich einbringen Doch beim Astra und auch beim Tiefbauamt Graubünden wurden Markus Zojas Ideen abgeblockt. «Ich finde es einfach schade, dass bei so grossen Projekten nicht die Leute vor Ort miteinbezogen werden. Niemand der Experten der ETH lebt im Tal und kann es so nur schwer beurteilen, wo der Schuh drückt.» Wenn die Bevölkerung schon mithelfen wolle und ihre Ideen einzubringen bereit sei, sollte sie auch angehört werden. Zoja hat seine Projektidee nun wieder nach vorne genommen, weil er hofft, dass sie eine Diskussion in Gang setzt und gemeinsam mit der Region und der Bevölkerung über die Zukunft der Strasse und der RhB-Linie zwischen Fideris und Küblis entschieden wird. Zeit dafür ist ja nun genug, denn wie der Bund mitgeteilt hat, könnte der Tunnel frühestens ab 2045 wieder ein Thema werden.

Markus Zoja wünscht sich, dass die Bevölkerung mehr einbezogen wird bei Grossprojekten.

Verwandte Artikel
Ikonen der Klassik bei Klosters Music
Prättigau, Region
Prättigau
Das beliebte Klassikfestival (31. Juli bis 9. August 2026) findet zum achten Mal statt und steht diesen Sommer unter dem Motto «Ikonen». Vier Orchesterkonzerte und einen Liederabend mit Chor im Konzertsaal der Arena Klosters sowie vier attraktive Kammerkonzerte in der Kirche St. Jakob und im Atelier Bolt hat der scheidende Intendant David Whelton programmiert.
Text/ Foto: Christine von Siebenthal/Gredzinsk 
März 4, 2026
Das Filmkonzert «Amadeus» mit Chor und Orchester bildet einen Höhepunkt der Festivalausgabe, die mit einem aussergewöhnlichen Programm zum 1.August (S...
Frontalkollision fordert zwei verletzte Personen
Prättigau, Region
Prättigau
Am Samstag ist es auf der Prättigauerstrasse H28 in Klosters zu einer Frontalkollision zwischen zwei Personenwagen gekommen. Die beiden Fahrer erlitten schwere Verletzungen.
Text/Foto: kapo 
März 4, 2026
Gegen 11.30 Uhr fuhr ein 20-jähriger Automobilist bei regem Verkehrsaufkommen von Davos Laret kommend über die Prättigauerstrasse H28 in Richtung Klos...
Skifahren auf Schneeresten
Prättigau, Region
Prättigau
Eigentlich hätte das 12h-Skirennen in Pany bereits Mitte Januar über die Bühne gehen sollen. Nun war der 28. Februar als Ausweichdatum vorgesehen und eine Woche davor sah alles nach einem perfekten Renn-Samstag aus.
Text/Foto: Peter Müller 
März 4, 2026
Die Wetterkapriolen der vergangenen Tage stellten die Organisatoren vor grosse Herausforderungen. Dies zeigte sich nicht zuletzt in der Sulzschnee-Unt...
Titelkampf und zugleich Cup-Abschluss
Prättigau, Region
Prättigau
Mit den kantonalen Meisterschaften in Klosters fand der Repower Nordic Cup des Bündner Skiverbandes am Samstag seinen Abschluss. Nebst den Bündner Meistertiteln, die an Helena Guntern und Toni Livers gingen, wurden in den verschiedenen Kategorien die Gesamtsiegerinnen und -sieger erkoren.
Text: Anita Fuchs 
März 4, 2026
Fürs Schlussrennen des Repower Nordic Cups, ein Einzellauf in der freien Technik, schrieben sich 159 Langläuferinnen und Langläufer ein. Bei super Wet...
Tage der offenen Ausgrabung!
Prättigau, Region
Prättigau
Der Archäologische Dienst Graubünden begleitet seit Dezember die Renovation des Innenraums der reformierten Kirche St. Johann in Schiers.
Text/Fotos: Thomas Reitmaier 
März 4, 2026
Aus der nahen Umgebung sind durch frühere Ausgrabungen unter anderem mehrere Sakralbauten und ein Friedhof aus dem Frühmittelalter bekannt. Die Unters...
«Erich ohne Gerda» mit Irina Schönen und Gian Rupf in Grüsch
Prättigau, Region
Prättigau
Ein alter Mann, eine verstorbene Frau – wie sieht ein Neuanfang für einen über Achtzigjährigen aus? Können sich alte Gewohnheiten ändern? Welche Beziehungen, welche Abenteuer sind noch möglich?
Text/Foto: pd/zVg 
März 4, 2026
Nach «Erich und Gerda» erzählen Irina Schönen und Gian Rupf am Samstag, 7. März, um 20 Uhr im Kellertheater Rosengarten in Grüsch von «Erich ohne Gerd...