Wie geht es weiter mit dem Verbindungstunnel?
Die Meldung, dass der Bundesrat den Eisenbahntunnel zwischen Fideris und Küblis aufgrund einer ETH-Studie als ein Projekt mit nur geringem Nutzen klassifiziert, hat bei Markus Zoja alte Erinnerungen geweckt. Denn das Projekt beschäftigt den Klosterser schon mehr als ein halbes Jahrzehnt. Doch es scheint, dass Bemühungen zur Optimierung der Situation beim Astra und auch beim Bund häufig auf taube Ohren stossen.
Die Meldung, dass der Bundesrat den Eisenbahntunnel zwischen Fideris und Küblis aufgrund einer ETH-Studie als ein Projekt mit nur geringem Nutzen klassifiziert, hat bei Markus Zoja alte Erinnerungen geweckt. Denn das Projekt beschäftigt den Klosterser schon mehr als ein halbes Jahrzehnt. Doch es scheint, dass Bemühungen zur Optimierung der Situation beim Astra und auch beim Bund häufig auf taube Ohren stossen.
Es hatte so gut ausgesehen: Mitte September 2014 gab der Bundesrat bekannt, dass das generelle Projekt für den Bau des letzten Teilstücks von 3,5 km Länge zwischen den Anschlüssen von Fideris/ Jenaz und Küblis/Dalvazza genehmigt wird. Nach Abschluss des Projekts wird der Lokal- und Langsamverkehr über die bestehende Strasse und der Transitverkehr über die neue Nationalstrasse geführt. Doch und dann doch nicht
Es hiess, der Baustart erfolge frühestens ab 2027. Die Kosten für das Strassenprojekt belaufen sich nach Berechnungen auf 156 Millionen Franken, die Kosten für den Bahnanteil auf 169 Millionen Franken. Es klang alles zu gut, um wahr zu sein. Neben dem Bau eines neuen Nationalstrassenteilstücks, welches der Bundesrat genehmigt hatte, werde die Rhätische Bahn künftig in einen Tunnel geführt. Dadurch würden Geschwindigkeiten bis zu 120 km/h ermöglicht, wodurch der Fahrplan stabilisiert werden könne. «Das neue Nationalstrassenteilstück und die bestehende Strasse verbleiben im Talboden und werden neu trassiert», hiess es damals aus Bern. Der Bau der neuen Strasse führe zudem zu einer Verkehrsentflechtung: Mit dem Bau des neuen Teilstücks könne der Langsamverkehr künftig über die bestehende Strecke geführt werden. Dies führe zu einer Erhöhung der Verkehrssicherheit aller Verkehrsteilnehmenden. Weiter werde mit dem Projekt der Schutz vor Naturgefahren (zum Beispiel Steinschlag) erhöht und die heutige Beanspruchung des Gewässerraums reduziert. Doch dann hatte der Bundesrat die ETH beauftragt, Ausbauprojekte von Strassen und Schienen nach ihrer Wichtigkeit und Wirtschaftlichkeit zu bewerten. Für Graubünden fiel das Ergebnis laut einem Bericht des «Regionaldiensts Ostschweiz» im Oktober ernüchternd aus: Nur wenige Vorhaben haben realistische Chancen auf Umsetzung. Bei den Projekten, die nur einen geringen Nutzen haben, wurde auch der Tunnel aufgelistet.
Es geht auch günstiger
Diese Meldung sorgte für gemischte Reaktionen: In Fideris jubelten einige, da durch den Entscheid das Restaurant Au noch ein paar Jahre länger erhalten bleiben wird. Bei vielen Menschen im Tal blieb aber ein Unverständnis hängen. Wie konnte es denn bitteschön sein, dass ein paar Studierte an der ETH darüber entscheiden können, welche Projekte im Tal lohnenswert sind und welche nicht? Einer, der die Bevormundung der Menschen im Tal auch nicht ausstehen kann, ist der Klosterser Markus Zoja. Er versteht nicht wirklich, weshalb die Bevölkerung nicht miteinbezogen wird bei solchen Geschichten. Bereits 2019 hatte er einen Plan skizziert und diesen dem Tiefbauamt Graubünden und dem Astra zukommen lassen. Statt einem langen Tunnel nur für die RhB, wie es im Projekt vorgesehen war, schlug er vor, das Ganze thematisch breiter anzulegen. «Die drei Felspartien zwischen Fideris-Station und dem Arieschbach werden mit drei relativ kurzen Tunnels durchstochen, durch welche die Strasse geführt wird.» Durch diese Massnahmen könnte die Linienführung begradigt werden. «Die drei Strassentunnels weisen Längen von 120 m, 180 m und 220 m (taleinwärts betrachtet) auf. Diese Durchstiche wären relativ einfach zu realisieren, sowohl im zeitlichen Rahmen wie auch in technischen Belangen.» Weiteres Sparpotenzial sieht Zoja bei der RhB. Denn für die RhB-Linienführung könne auf die vorgesehene, gross angelegte Tunnelvariante verzichtet werden. «Mit der Verlagerung der Strasse bergwärts wird mehr Raum für die RhB-Linie geschaffen. Die Linienführung kann linksufrig der Landquart belassen und näher an den Hang geführt werden. Auch hier denkt Zoja, dass eine Variante mit drei Kurztunnels kostengünstiger wird, als wenn auf einen langen gesetzt wird.
Die Bevölkerung muss sich einbringen Doch beim Astra und auch beim Tiefbauamt Graubünden wurden Markus Zojas Ideen abgeblockt. «Ich finde es einfach schade, dass bei so grossen Projekten nicht die Leute vor Ort miteinbezogen werden. Niemand der Experten der ETH lebt im Tal und kann es so nur schwer beurteilen, wo der Schuh drückt.» Wenn die Bevölkerung schon mithelfen wolle und ihre Ideen einzubringen bereit sei, sollte sie auch angehört werden. Zoja hat seine Projektidee nun wieder nach vorne genommen, weil er hofft, dass sie eine Diskussion in Gang setzt und gemeinsam mit der Region und der Bevölkerung über die Zukunft der Strasse und der RhB-Linie zwischen Fideris und Küblis entschieden wird. Zeit dafür ist ja nun genug, denn wie der Bund mitgeteilt hat, könnte der Tunnel frühestens ab 2045 wieder ein Thema werden.