Ein Besuch bei Auswanderer Valerio Tarnutzer
Seit rund eineinhalb Jahren lebt der 31-Jährige in Toluca, nur eine Stunde von der riesigen Hauptstadt Mexiko City entfernt. Für jemanden aus einem 2500-Seelen-Dorf ist das ein grosser Schritt. Wenn Valerio heute aus dem Fenster schaut, sieht er keine Prättigauer Berge, sondern das weite Hochplateau von Toluca. «Ich konnte mir lange nicht vorstellen, wie ich mich in so einer grossen Umgebung wohlfühlen würde», sagt er, als wir durch seine Wohnresidenz spazieren. Ein Wunsch war für ihn von Anfang an klar: Er wollte dort leben, wo man die unfassbare Grösse des Grossraums Mexiko City (weit mehr als 2x die gesamte Schweiz) nicht täglich spürt.
Seit rund eineinhalb Jahren lebt der 31-Jährige in Toluca, nur eine Stunde von der riesigen Hauptstadt Mexiko City entfernt. Für jemanden aus einem 2500-Seelen-Dorf ist das ein grosser Schritt. Wenn Valerio heute aus dem Fenster schaut, sieht er keine Prättigauer Berge, sondern das weite Hochplateau von Toluca. «Ich konnte mir lange nicht vorstellen, wie ich mich in so einer grossen Umgebung wohlfühlen würde», sagt er, als wir durch seine Wohnresidenz spazieren. Ein Wunsch war für ihn von Anfang an klar: Er wollte dort leben, wo man die unfassbare Grösse des Grossraums Mexiko City (weit mehr als 2x die gesamte Schweiz) nicht täglich spürt.
Fündig wurden die beiden in Calimaya, einer ruhigen Ortschaft nahe Toluca. Die Wohnresidenz, in der sie jetzt leben, erinnert Valerio manchmal an frühere Campingferien in Italien: kleine Strassen, viel Grün, ein See mit Enten, Plätze für Sport, ein Café, sogar ein Mini-Supermarkt und eine Apotheke. «Es hat etwas Familiäres », erzählt er. Die Sicherheit wird rund um die Uhr gewährleistet.
Bewusster unterwegs
Dass das Land nicht einfach in ein paar Sätzen zu beschreiben ist, merkt man schnell. Mexiko ist riesig, kulturell vielfältig und voller Gegensätze. Von indigenen Sprachen über moderne Grossstädte bis hin zu ländlichen Regionen, jeder Landesteil, vor allem jeder Staat (die meisten von ihnen grösser als die Schweiz) hat seinen eigenen Charakter. «Wie gefährlich Mexiko wirklich ist, weiss ich selbst manchmal nicht», sagt Valerio ehrlich. «Aber man lernt, bewusster unterwegs zu sein. Man überlegt sich zweimal, wo man parkiert, oder nimmt am Abend eher einen Uber als den Bus.» Gleichzeitig erlebe er die Menschen als unglaublich hilfsbereit und warmherzig.
Kennengelernt im Sprachaufenthalt
Sein Weg nach Mexiko begann unerwartet. Vor einigen Jahren reiste Valerio mit einem Freund durch Lateinamerika. Kuba, Brasilien, Mexiko, überall gefiel es ihnen, doch dass eines dieser Länder einmal seine neue Heimat werden würde, ahnte er damals nicht. Der Wendepunkt kam bei einem Sprachaufenthalt in Irland, wo er Paulina aus Toluca kennenlernte. Die beiden verliebten sich, wussten aber, dass sie nach dem Englischkurs wieder in ihre Heimatländer zurückkehren würden. Trotzdem blieb der Kontakt bestehen, mal intensiv und mal etwas weniger. Doch als Paulina Valerio in der Schweiz besuchen kam, merkte Valerio, dass ihre Geschichte noch nicht zu Ende war. Er machte im Master in Management and Law (an der ZHAW) ein Auslandssemester in Mexico City und verbrachte jedes Wochenende bei Paulina und ihrer Familie.
Erster Halt: Buchs
Im Jahre 2021 entschieden sie sich, zusammen in Buchs zu leben. Valerio brachte Paulina in der Freizeit als ausgebildeter Skilehrer das Skifahren bei, sie lernte Schweizerdeutsch und fand sich gut zurecht. Und trotzdem fehlte ihr etwas. «Die Schweiz ist wunderschön», sagt Paulina, «aber ich habe den offenen Austausch, das mexikanische Essen, die Spontaneität und die Nähe zu meiner Familie vermisst.» Valerio verstand das. Also wagten sie gemeinsam den Schritt zurück nach Mexiko. Heute lebt er nun sogar höher als in der Schweiz: Toluca liegt auf 2600 Metern über Meer und auf den umliegenden Vulkanen liegt teilweise gar auch Schnee. «Dann will jeweils ganz Toluca hoch auf den Berg, das gibt einen riesen Stau», lacht er. Das Heimweh nach Schiers bleibt trotzdem. Valerio telefoniert wöchentlich mit seiner Familie und seinen Freunden, dank Videocalls fühlt er sich ihnen nah. «Natürlich vermisse ich mein Umfeld», sagt er. «Aber ich habe hier auch viel gelernt – vor allem, mehr im Moment zu leben. »
Berufliche Selbstständigkeit
Beruflich stehen die beiden gerade am Anfang eines eigenen Projekts. Sie bauen ein kleines Textilbusiness auf: Sie importieren Stoffe, verkaufen sie weiter oder geben dazu verschiedene Nähideen. Viele Kunden nutzen die Stoffe, um kreative Projekte mit Patchwork-Techniken umzusetzen. Mit ihren Ständen besuchen sie verschiedene Expos im Land und entdecken so immer wieder neue Ecken Mexikos. «Wir geben uns fünf Jahre Zeit, um zu sehen, wie sich alles entwickelt», sagt Valerio.
Ob ihre Zukunft langfristig in Mexiko oder in der Schweiz liegt, lassen sie offen. Ein Traum wäre, eines Tages halbjährlich zu pendeln – den Winter in den Bergen, den Sommer in Mexiko. Paulina strahlt, wenn sie davon erzählt: «Ich liebe das Skifahren und ich hatte ja den besten Lehrer.» Bis dahin leben sie ihren Alltag zwischen zwei Welten. Zwischen der Vertrautheit von Schiers und der Herzlichkeit Mexikos, zwischen neuen Herausforderungen und alten Wurzeln. «Manchmal staune ich selbst, wo mich das Leben hingeführt hat», sagt Valerio. «Aber im Moment ist es genau richtig so.»