«Wir wollen das Dorfleben aktivieren»
Ziemlich genau seit einem Jahr ist Andreas Thöny Landquarter Gemeindepräsident. Auch wenn er im Gespräch entspannt wirkt, sagt der 57-Jährige, dass das erste Jahr als Gemeindepräsident ihn doch recht gefordert habe. «Es war ein intensives Jahr. Es hat einiges gebraucht, um sich in die ganzen Dossiers einzulesen. Dann haben wir auch noch die ersten Projekte zum Umsetzen geplant. »
Unterschätzt habe er das Amt nicht, da er ja zuvor selbst zwölf Jahre im Gemeindevorstand tätig gewesen sei. «Was ich aber tatsächlich ein wenig unterschätzt habe, ist die Verantwortung, die man trägt als Gemeindepräsident, obwohl man ein Teil von einem siebenköpfigen Gremium ist, das die Entscheidungen gemeinsam fällt.» Er sei für viele die Ansprechperson unter der Woche im Rathaus, wenn es auch um einfachere Entscheide gehe. Gemeindepräsident sei ein 24-Stunden- Job, bei dem man auch am Wochenende beim Spazieren angesprochen werde. Die Bevölkerung projiziere die Sorgen, aber auch Erwartungen meist auf den Gemeindepräsidenten, was im Leben von Andreas Thöny schon für eine Umstellung gesorgt hat. «Man muss sich zu ganz vielfältigen Themen schnell ein Bild machen und dann eine Meinung bilden und entscheiden – das ist recht anspruchsvoll.» Es helfe, dass er bei sich sei und der Umgang mit den Leuten sich nicht komplett verändert habe, seit er das Amt innehabe. «Mir war es immer schon wichtig, offen mit den Leuten über ihre Anliegen zu sprechen.» Gemeinsam ans Ziel bis 2040 Am meisten Respekt habe er auch nach einem Jahr noch vor den Gemeindeversammlungen, da man dort als Leiter der Versammlung mitten im Auge des Sturms stehe. «Man weiss nie so recht, wie die Leute auf Anträge reagieren, ob etwas Unerwartetes kommt, ob sie persönlich werden, wenn sie einen Frust haben, den sie abladen möchten. » In den zwei Gemeindeversammlungen, die Thöny bisher geleitet hat in dem Jahr, sei es glücklicherweise gut gelaufen, was ihn beruhige. «Doch jede Gemeindeversammlung fängt wieder bei null an. Vor dem habe ich Respekt und bereite mich gut vor, damit ich auch, wenn inhaltlich kontrovers diskutiert wird, eine Ordnung habe und dass sie auch sauber durchgeführt werden kann.» Im vergangenen Jahr konnte die Ge- meinde einige Themen angehen und auch erfolgreich realisieren, sagt Andreas Thöny. Landquart habe sich nach 20 Jahren ein neues Leitbild gegeben und konnte dort strategische Schwerpunkte setzen, die aufzeigen, wo es hingehen soll in den nächsten Jahren. «Das war ein langer, guter Prozess mit Workshop im Gemeindevorstand und einer Zukunftswerkstatt mit Einwohnern, an denen geschaut wurde, wo wir stehen, welche Stärken und Schwächen es gibt, aber auch Chancen und Gefahren.» Das Leitbild mit dem Übertitel «Gemeinsam zum Ziel» zeigt, was Landquart mit seinen drei Dörfern bis 2040 erreichen will. Wie bereits in dieser Zeitung gelesen werden konnte, geht es im Grundsatz um Folgendes: «Im Willen zu regionalem Denken, sozial verantwortlichem Handeln und Zusammenhalt gestalten wir unsere Zukunft. Im Bestreben, ein Ort zu bleiben, an dem wir uns wohlfühlen und miteinander wachsen, entwickeln wir Landquart stetig weiter. » Konkret heisst das, es wurden die sechs Handlungsfelder mit den Bereichen «Wohnraum, Arbeitsort und Bildung», «Bewusstes Wachstum», «Digitale Transformation», «Mobilität», «Gesellschaft» sowie «Klima & Umwelt» definiert. Der Gemeindevorstand steckt sich darauf basierend ganz klare Ziele, die er erreichen will. Laut Thöny sei so ein Fahrplan oder ein Handbuch entstanden, mit dem man einen besseren Fokus auf die brennenden Themen setzen könne.