Vom Sich-Entschuldigen
Viele Menschen verkaufen sich nach aussen unter Wert. Wer etwas bewegt, bietet Angriffsfläche. Gerade Persönlichkeiten, die viel erreicht haben, neigen deshalb dazu, ihre eigenen Leistungen kleinzureden und sich beinahe für ihre Ideen zu entschuldigen. Das ist völlig unnötig und gibt den Gegnern nur Aufwind.
Vor Kurzem habe ich den Kurs «Redaktionsmanagement – Führen in den Medien» am MAZ in Luzern erfolgreich abgeschlossen. Für den letzten Kurstag sollten wir einen persönlichen Entwicklungsplan erarbeiten und der Gruppe präsentieren. Während andere aufwendige Power-Point-Präsentationen vorbereitet hatten, entschied ich mich bewusst für eine schlichte Form: Auf einer grossen Pinnwand zeichnete ich meinen Werdegang, den aktuellen Stand und meine Zukunftsvisionen auf. Da meine Familie, mein Beruf und mein kreatives Schaffen wunderbar zusammenspielen, stellte ich den Ist-Zustand als Herz mit drei Kammern dar. Optisch war das sicher kein Kunstwerk, aber ich hoffte, mit Ehrlichkeit und Emotionen zu punkten. Die Rückmeldungen aus der Klasse waren durchwegs positiv. Dennoch wurde mir ein Punkt immer wieder gespiegelt, und zwar nicht mein mangelndes Zeichentalent. Vielmehr hatte ich mich, ohne es zu merken, ständig selbst entschuldigt. Statt stolz auf das Erreichte zu sein, sagte ich Dinge wie: «Sorry, meine Präsentation ist nicht so stark», oder erklärte mich mit den täglichen fünf Stunden Pendelzeit, wegen derer ich keine Musse für ein grosses Spektakel gehabt hätte. Gerade inmitten der vielen wertschätzenden Feedbacks wurde mir klar: Der Inhalt war wichtiger als die Verpackung. Und mehr noch, dass ich mich eigentlich eher bei mir entschuldigen müsste als für mich. Denn allzu oft entsteht das Gefühl, alle seien gegen einen. Umso wichtiger ist es, sich selbst nicht unter den Scheffel zu stellen, sondern sich zu stützen, statt sich kleinzumachen.