Inserate sind keine Almosen
Wenn ein Bundesrat die Werbewirtschaft ermahnt, genauer hinzuschauen, stutzt man in einer Lokalredaktion kurz. Medienminister Albert Rösti hat das kürzlich getan und in der Tat liegt er damit ziemlich nahe an der Lebensrealität vieler Redaktionen.
Rösti appelliert kurz vor Weihnachten in einem Interview bei der (seit kurzem nur noch) Onlinezeitung «20 Minuten» an Schweizer Firmen, einen Teil ihres Werbebudgets gezielt in die hiesige Medienvielfalt zu investieren. Nicht aus Nostalgie. Nicht aus Staatsräson. Sondern schlicht aus Eigeninteresse. Denn wer in der Schweiz erfolgreich wirtschaften will, profitiert von Stabilität, Föderalismus, demokratischer Meinungsbildung und von Medien, die genau dieses System täglich erklären, einordnen und kritisch begleiten. Das Problem ist bekannt: Ein immer grösserer Teil des Werbegelder-Kuchens fliesst ins Silicon Valley ab. Zu Google, Meta und Co. Die Plattformen liefern Reichweite, Klicks und spezifische Zielgruppen. Was sie nicht liefern, sind lokale Kontrolle, sachliche Einordnung, Nähe zu Gemeinden, Vereinen, KMU. Sie schicken niemanden an lange Gemeindeversammlungen, befragen keine Verantwortungsträger zur regionalen Gesundheitsversorgung und schreiben keinen Bericht über den Theaterverein im Nachbardorf. Trotzdem gelten Inserate in Lokalzeitungen mancherorts als verzichtbar. Als Nettigkeit. Als gut gemeinte Unterstützung für eine aussterbende Branche. Genau hier liegt der Denkfehler.