«Wir geniessen ein grosses Vertrauen»
Die neue Mehrzweckhalle war das grosse Thema des vergangenen Jahres in Grüsch. Von dem 14-Millionen-Franken-Projekt werden viele Generationen in Zukunft profitieren können. Für die Zukunft ist laut dem weitsichtigen Gemeindepräsidenten Marcel Conzett aber der Erwerb der Wassergesellschaft Marguold ebenso wichtig, wenn nicht sogar noch wichtiger.
Auch wenn er nicht so aussieht, ist Marcel Conzett aktuell der dienstälteste Gemeindepräsident im Tal. Dieses Jahr feiert der Grüscher Gemeindepräsident sein Zehn-Jahr-Jubiläum im Amt. Vorstellen hätte er sich das zu Beginn seiner politischen Laufbahn nicht können. Sein «Denkmal» zum runden Jubiläum hat sich der Fanaser mit der Mehrzweckhalle selber gesetzt, wie er mit einem Schmunzeln sagt. Er hätte es weiss Gott einfacher haben können, wie er im Rückblick anmerkt. «Ich hätte mir das nicht wirklich aufladen müssen. 14 Millionen sind einfach sehr viel Geld für eine Gemeinde mit 2000 Einwohnern.» Anders machen würde er es heute nicht. Trotz den vereinzelten Nebengeräuschen scheint Conzett angekommen zu sein und auch zufrieden, wie sich alles entwickelt hat. Allgemein sei er mit seiner Offenheit immer gut gefahren. Die Transparenz bei der Kommunikation komme an. «Wir haben die Leute geschlossen hinter uns bei der Halle, aber auch sonst im Allgemeinen. Einzig bei den Steuern gibt es hin und wieder Diskussionen.» Politische Spiele und Auswechselversuche von Gegnern, wie es sie in anderen Gemeinden schon gegeben habe, kenne man in Grüsch nicht. «Wir geniessen ein grosses Vertrauen, wofür wir sehr dankbar sind.» Wenn die Verfassung Eier legt Grosse Böcke habe der Gemeindevorstand und er sich nicht geleistet in den vergangenen zehn Jahren. Einzig bei der Liegenschaftssteuer habe er zweimal den Kopf angeschlagen. «Das kann dann mein Nachfolger in drei Jahren nochmals angehen, wenn er Bedarf sieht. Ich lasse das Thema jetzt.» Und doch gebe es da noch einen Punkt, der die Arbeit wesentlich erschwere. «Das grösste Ei, das wir uns selber gelegt haben, ist, dass wir mit gewissen Sachen an die Urne gegangen sind.» Das sei bei Gesetzesänderungen und mit dem Steinbruch der Fall gewesen. «Mit diesen zwei, drei Sachen, die bei Abstimmungen nicht durchgekommen sind, hätten wir es an der Gemeindeversammlung geschafft. » In der Rückschau nützt es wenig, darüber zu lamentieren, denn die Grüscher Verfassung schreibt es vor, dass bei gewissen Abstimmungen an die Urne gegangen werden muss. «Ob das gut ist, dass bei gewissen Sachen drei bis fünf Prozent der Bevölkerung Ja sagen, ist die andere Frage. Bei der Halle kann man es umkehren: Wenn bei einer Stimmbeteiligung von ca. 60 Prozent 80 Prozent Ja sagen, geht’s gar nicht schöner.» Unterschätzt hätten er und der Gemeindevorstand die Tatsache, dass, wenn eine Abstimmung an die Urne gehe, Unwahrheiten erzählt und Angst geschürt würden. Verbittert ist Marcel Conzett aber nicht. «Für mich ist es erledigt, da kann ich einen Haken dahinter machen. Für einen Moment regst du dich unwahrscheinlich fest auf, aber im Nachhinein ist es dann auch mal gut.» Conzett wirkt entspannter, seit die Mehrzweckhalle steht in Grüsch. Man merkt es ihm an, dass der Druck von seinen Schultern gefallen ist. Es sei knallhart gewesen, den Kreditrahmen nicht zu sprengen. Dermassen viel lokales Holz wie sein Kollege René Vogel zu verbauen, sei nicht dringelegen. «Das ist ein politisches Problem. Alleine das ‘bisschen’ Grüscher Holz, das wir bei uns verbaut haben, hat 20000 Franken mehr gekostet, obwohl wir das Holz ja gratis haben.» Ein Geschäft mit unschätzbarem Wert Auch wenn der Bau der Halle 2025 sicher im Mittelpunkt gestanden habe, sei der Gemeinde im vergangenen Jahr noch ein zusätzlicher Coup gelungen.