Aktuell, Sonntagsgespräch
24. Januar 2026

Anna Margreth Holzinger im Sonntagsgespräch

Schiers ist von der Bevölkerungsanzahl die zweitgrösste Gemeinde im Prättigau. Mit der steigenden Beliebtheit der Gemeinde kommen Herausforderungen betreffend Infrastruktur und Schulraumknappheit auf eine Gemeinde zu. Im Rückblick auf das vergangene Jahr zeigt sich, dass die Gemeinde alle Hände voll zu tun hat.

Christian Imhof

Anna Margreth Holzinger ist seit zwei Jahren Gemeindepräsidentin von Schiers. Die Gemeinde stehe vor verschiedenen Herausforderungen, langweilig werde es ihr so schnell nicht. «Immer wenn man denkt, dass man eine Herausforderung gemeistert hat, kommen zwei, drei neue auf einem zu.» Es gehe der Gemeinde gut, auch wenn gewisse finanzielle Herausforderungen im Raum stünden. «Die Hauptherausforderung ist der Schulraum. Hier haben wir einen hohen Bedarf in recht schneller Zeit.» Die Zahlen zeigen es: Schiers ist attraktiv für Familien. «Ab nächstem Schuljahr werden wir einen fünften Kindergarten und eine Klasse mehr haben. Somit brauchen wir rasch zwei weitere Schulräume. Den Schulraum konnten wir inzwischen organisieren. Für den weiteren Kindergarten sind wir noch auf der Suche nach Möglichkeiten.»

Jetzt wird der Schulraum angepackt

Verschätzt bei den Kinderzahlen hätten sie sich nicht, stellt Holzinger klar. «Bei der Überbauung Sunnabündti haben auch alle gedacht, dass dort sehr viele Familien einziehen, was nicht der Fall gewesen ist. Aber was man merkt: Es gibt eine Verlagerung.» Viele ältere Personen, die in Einfamilienhäusern zuhause seien, wechseln in eine Wohnung und übergeben es innerhalb der Familie oder verkaufen es. Doch auch das fleissig gebaut werde, habe einen gewissen Einfluss, genau wie die ganzen «Corona-Babys». Dass Schiers irgendwann ein Problem mit dem Schulraum haben werde, habe sich schon lange abgezeichnet. Doch den Kopf in den Sand zu stecken oder den Vorgängern die Schuld in die Schuhe zu schieben, ist nicht das Naturell von Anna Margreth Holzinger. «Ich kann sagen, dass wir es anpacken und eine Lösung finden werden. Mit meiner Kollegin und Kollegen im Gemeindevorstand erarbeiten wir Lösungsmöglichkeiten und mit der Fachhochschule Graubünden wird ein Projekt aufgegleist, bei dem wir herausfinden, was auf dem Areal alles möglich ist.» Diese Stimme von aussen sei wichtig, damit man sich nicht selbst im Kreis drehe. «Vielleicht gibt es ganz innovative Lösungen, die wir nicht auf dem Schirm haben.» Die Resultate des Projekts werden auf den kommenden Sommer erwartet. «Auf dem Projekt können wir anschliessend aufbauen für einen allfälligen Architekturwettbewerb. Es ist nicht so, dass wir sagen, dass bald was kommt, sondern wir sind jetzt wirklich dran.» Bei der Oberstufe habe man noch ein paar Jahre Zeit, bis die grossen Jahrgänge kämen. Schiers ist gewachsen. 2025 lebten erstmals über 3000 Personen in der Gemeinde. Das sei mit ein Grund, für die Thematik, doch das Schulhaus, welches Anfangs der 60er Jahre eingeweiht wurde, habe auch sonst sehr viel Sanierungsbedarf.

Kostenintensive Baustellen

Da die Priorität momentan auf dem Schulraum und der Sanierung der bestehenden Schulanlagen liegt, hat Schiers auch noch nicht wie andere Gemeinden im Prättigau die Abfallentsorgung auf Moloks umgerüstet. Die Abfallsituation sei trotz Bussen und Verwarnungen immer noch angespannt, sagt Anna Margreth Holzinger. «Wir haben immer wieder Personen, die am Sonntagabend oder Montagabend die Abfallsäcke auf die Strasse stellen. Das ist einfach relativ schwierig, da Wild- und Haustiere rangehen und die Säcke aufreissen, was eine riesige Sauerei ergibt.» Es sei schwierig, die Leute bei dieser Thematik zu sensibilisieren. Ihre Vorstandskollegin Sabrina Fuchs arbeite an einer Moloklösung. Doch auch hier sei es leichter gedacht, als gemacht. «Es ist eine relativ teure Anschaffung und bei uns im Dorf ist es mit den engen Gässchen schwierig, die richtigen Molokstandorte zu finden. Jetzt müssen wir abwägen, was wir zuerst machen, denn alles miteinander können wir nicht stemmen.» Der Finanzrahmen gebe es vor. «Bei einem Schulhaus reden wir von 30 bis 35 Millionen Franken. Dann haben wir auch noch eine Platzproblematik beim Werkhof, von der schon lange gesprochen wird. Die Feuerwehr, die Forst- und Werkgruppe haben alle Platzbedarf, den wir so nicht mehr anbieten können.» Hinzu komme, dass man das Sägerei Areal der Firma Lötscher übergeben habe, damit sich diese Firma weiterentwickeln könne. «Das Platzproblem bei den engen Strassen bleibt bestehen und wird uns in Zukunft noch öfters beschäftigen.»

Areal unter dem Bahnhof

Unterhalb vom Bahnhof war über mehrere Jahre das Grossprojekt «Punkt bim Bahnhof» geplant. Es schien phasenweise so, als würde die neue Eventhalle alle Probleme lösen können. Doch verschiedene Umstände führten zu einem Stopp des Vorhabens und der Reservationsvertrag wurde von der Gemeinde nicht mehr verlängert. Gleich weit wie vorher sei man aber nicht, sagt Holzinger. «Wir haben einen Strategietag gemacht und sind zum Schluss gekommen, dass wir die Kriterien nochmals überarbeiten und das Ganze gezielter anschauen möchten.» Es werde auch überlegt, nicht die ganze Parzelle am Stück im Baurecht abzugeben oder eventuell zu verkaufen. «Sobald wir die gesamten Erarbeitungen haben, was gleichzeitig auch die Parzelle ausser dem Sagensteg betrifft, wird es eine Ausschreibung geben. Damit haben alle Interessierten die Möglichkeit, sich darum zu bewerben.» Die Gemeinde biete den Platz und setze bei zukünftigen Bauvorhaben die Kriterien, die es zu erfüllen gelte.

Das Gewerbe im Wandel

Im vergangenen Jahr ist beim Gewerbe in Schiers einiges passiert. Das traditionsreiche Unternehmen Kindschi hat den Standort in der Gemeinde geschlossen. «Kindschi hat uns völlig überrascht. Wir wussten davon nichts. Das ist noch schwierig, wenn man das einfach so erfährt. Solche Entwicklungen machen uns natürlich schon Sorgen.» Es seien Arbeitsplätze und Steuersubstrate, die verloren gehen. Das lasse eine Gemeinde nie kalt. Dass die Albert Spiess AG dann noch einen grossen Stellenabbau vorgenommen hat, sei zwar nicht so überraschend wie bei Kindschi gekommen, habe sie aber auch intensiv beschäftigt. «Es war uns einfach wichtig, dass für die entlassenen Personen eine Anschlusslösung und ein guter Sozialplan gefunden wird. Wir hatten deshalb Kontakt mit dem Kanton, der ad Interim-Geschäftsleitung und der Betreiberfirma Orion. Wir haben versucht zu machen, was wir können.» Eigentlich könnte die Gemeinde die Entwicklungen in der Privatwirtschaft ignorieren und könnte das den Firmen überlassen. Doch das sei nicht im Sinn von Schiers. «Es ist uns ein Anliegen, dass sich Schiers positiv entwickelt. Nur das zu machen, was man muss, ist nicht zielführend. Man kann auch mal mehr machen, als man muss.»

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