«Durch den Schmerz hindurch schreiben»
Am 1. April lud der Buchladen Bad Ragaz zu einer Doppellesung an der Bahnhofstrasse 12 ein. Auf dem Programm standen die beiden Autorinnen Laura Vogt und Martina Caluori, die kürzlich jeweils einen neuen Roman veröffentlicht haben. Im Verlauf des kurzweiligen Abends zeigte sich jedoch, dass dies nicht ihre einzige Gemeinsamkeit ist.
Mit «Schatten der Pinus» der Churerin Martina Caluori und «Das Jahr des Kalks» der Appenzellerin Laura Vogt wurden zwei Werke vorgestellt, die sich beide mit der Endlichkeit des Lebens auseinandersetzen. Nach einer kurzen Begrüssung wurde das zahlreich erschienene Publikum zunächst in die literarische Bergwelt von Vogt entführt. Ihr Roman erzählt von einer jungen Künstlerin und Mutter, die sich von ihrem sterbenden Onkel verabschieden muss. Dabei wird sie unweigerlich mit Erinnerungen an ihren Vater konfrontiert, der die Familie in ihrer Kindheit verlassen hat. In der Auseinandersetzung mit diesem doppelten Verlust beginnt sie, sich intensiv mit Kalk zu beschäftigen. Ein Stoff, der sie an gemeinsame Bergwanderungen mit ihrem Onkel erinnert. Ausgehend von diesem Motiv, das zwischen Beziehungsgeschichte und Naturbeobachtung angesiedelt ist, entsteht eine dichte und stimmungsvolle Atmosphäre. Während die Lesenden beiläufig Einblicke in das Handwerk des Kalkbrennens erhalten, entfaltet sich ein leiser, melancholischer Text über das Abschiednehmen.