Junge Menschen ernst nehmen
Dr. Maria Thöni Diakonat Evangelische Kirchgemeinde Klosters-Serneus Ich denke gerne an meine Studienzeit in Benediktbeuern in Bayern bei den Salesianern Don Boscos zurück. Für uns junge Studierende war im Klostergebäude alles möglich. Ja, das Kloster brauchte unsere Mitarbeit sogar. So gab es keine Mensa, dafür ein Cafeteriateam von Studierenden, das für über 300 Personen kochte. Auf eigene Rechnung. Ich war Teil des Cafeteriateams und erinnere mich gerne an unseren Kartoffelsalat in der Wäschezeine. In weiteren Arbeitsgruppen wurde ein Eine-Welt-Laden geführt, Aktionstage organisiert und eine Zukunftswerkstatt mit den Dozierenden gestaltet. Mit dem «Kleinkunstbrettl» und «Lyrics and poetry» wurden kulturelle Höhepunkte geschaffen. Feste waren bis spät in die Nacht er-laubt. Mein Philosophieprofessor und Salesianerpater half sogar beim Aufräumen. Als junge Studierende wurden wir ernst genommen. Wir hatten Freiheiten und erlebten eine Gemeinschaft voller Verantwortung, finanzieller Möglichkeiten und spiritueller Geborgenheit. Für Don Bosco war die Jugend das Wichtigste. Sein Engagement für die Jugend war Vorbild für die salesianische Gemeinschaft, nicht nur in Benediktbeuern. Nach 30 Jahren besuche ich eine Freundin an diesem besonderen Studienort. Es ist nicht Nostalgie, die mich dankbar auf die jugendlichen Freiräume zurückblicken lässt. Es ist ein Ort, an dem das Engagement für die Jugend spürbar war. Ich wünsche mir, dass junge Menschen ernst genommen werden und Geld, Verantwortung und Freiräume erhalten, in denen sie Erfahrungen sammeln, Erfolge feiern und Fehler machen können. Gerade in der Kirchgemeinde. Gerade in der Jugendarbeit. Gestärkt vom Konfirmationssegen können junge Menschen ihre Talente in der Kirchgemeinde entfalten. Wenn wir sie nur ernst nehmen und ihnen Geld geben. . .