«Nirgends wird so schön geflucht wie im Dialekt»
Mit «Schwellensprung» legt der Schierser Autor Christian Imhof seinen zweiten Thriller vor. Nach dem Prättigau wird dieses Mal die Bündner Herrschaft zum Schauplatz einer Geschichte über einen rätselhaften Todesfall, menschliche Abgründe und gesellschaftliche Fragen. Die Idee entstand bei einer Lesung im Weingut Bovel in Fläsch. Fertiggeschrieben wurde das Buch Monate später während einer Reise auf Sardinien.
Es ist ein Bild, das so gar nicht zur beschaulichen Weinlandschaft der Bündner Herrschaft passen will: Mitten in den Fläscher Reben wird ein toter Basejumper entdeckt. Zunächst deutet vieles auf einen missglückten Sprung vom Regitzer Spitz hin. Doch schon bald kommen Zweifel auf. Was zunächst wie ein tragischer Sportunfall aussieht, entwickelt sich zu einem Fall, bei dem kaum etwas so ist, wie es auf den ersten Blick scheint.
Mit dieser Ausgangslage beginnt Christian Imhofs neuer Thriller «Schwellensprung». Nach «Schwellenmomente» aus dem Jahr 2024 ist es die zweite längere Kriminalgeschichte des Schierser Autors. Während sein erster Thriller im Prättigau angesiedelt war, führt ihn sein neues Buch in die Bündner Herrschaft.
Von einer Lesung zur Buchidee
Dass ausgerechnet die Fläscher Reben zum Schauplatz der Geschichte wurden, ist kein Zufall. Den Anstoss gab eine Einladung des Weinguts Bovel. «Als ich vergangenen Herbst von der Familie Marugg im Weingut Bovel die Anfrage bekam, bei ihnen eine Lesung zu geben, hat mich der Eifer gepackt und ich wollte eine komplett neue Geschichte schreiben», erzählt Imhof.
Vor Ort nahm die Idee rasch Gestalt an. «Vor allem als ich vor den Reben unterhalb vom Rigitzerspitz stand, kam die Idee sofort, wie es wohl wäre, wenn ein toter Basejumper in den Reben gefunden würde.»
Aus diesem Gedanken entstand zunächst eine Geschichte für die Lesung und schliesslich ein ganzer Thriller. Im Zentrum steht Kommissarin Lea Gartmann. Sie versucht gemeinsam mit ihrem Kollegen Tobias Thöny herauszufinden, was in den Reben tatsächlich geschehen ist. Dabei führen die Ermittlungen zu Menschen, deren Geschichten eng miteinander verwoben sind. Alte Konflikte, Geld, Schuld und persönliche Verletzungen sorgen dafür, dass sich das Bild immer wieder verändert. Selbst als der Fall bereits abgeschlossen scheint, bleiben Zweifel zurück.
Die Region wird zur Krimikulisse
Für Imhof war früh klar, dass auch sein zweiter Thriller in seiner unmittelbaren Umgebung spielen sollte. «Wie auch der Prättigauer Thriller ‹Schwellenmomente› spielt auch ‹Schwellensprung› in der Region, die ich kenne und in der ich lebe. Denn ich kann wirklich nur gut über Dinge schreiben, die ich kenne.»
Dass viele Schweizer Kriminalgeschichten an anderen bekannten Bündner Schauplätzen angesiedelt sind, sieht er gelassen. «Es gibt genügend Krimis über das Engadin. Meine Geschichten spielen hier in der Region.»
So werden Fläsch, Jenins, Landquart und weitere Orte zu Schauplätzen einer vollständig fiktiven Handlung. Die vertraute Umgebung ist dabei mehr als eine austauschbare Kulisse. Reben, Dörfer, Landschaft und regionale Eigenheiten prägen die Atmosphäre des Buches.
Gesellschaftliche Themen hinter dem Kriminalfall
Wie bereits in «Schwellenmomente» nutzt Imhof das Thrillerformat auch, um gesellschaftliche Fragen aufzugreifen. In «Schwellensprung» finden Themen wie Klimakrise, die #MeToo Bewegung sowie gesellschaftliche Oberflächlichkeit und Abstumpfung Eingang in die Handlung.
Auch der Titel verweist auf diese zweite Ebene der Geschichte. Die Figuren gelangen immer wieder an Schwellen. Sie müssen Entscheidungen treffen, Grenzen ziehen oder überschreiten und mit den Folgen ihres Handelns leben. Manche dieser Entscheidungen wirken zunächst unbedeutend und setzen später Ereignisse in Gang, die sich nicht mehr rückgängig machen lassen.
Geflucht wird auf Mundart
Besonders deutlich wird der regionale Charakter bei der Sprache. Imhof lässt seine Figuren in den Dialogen Mundart sprechen. Für ihn ist das eine bewusste Entscheidung für mehr Authentizität.
«Um möglichst nahe am echten Leben zu sein, habe ich bewusst auf Mundartdialoge gesetzt. Denn nirgends wird so schön geflucht wie im Dialekt», sagt Imhof. Dabei trifft die ernste Handlung immer wieder auf trockenen Humor und Figuren, die so sprechen, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist.
Eine wichtige Rolle spielt naturgemäss auch der Wein. Gerade hier musste sich Imhof allerdings erst in eine für ihn wenig vertraute Welt einarbeiten. «Dass ich als Nichtweinkenner überhaupt bei einem Weintasting lesen durfte, motivierte mich zusätzlich, eine möglichst authentische Geschichte zu erzählen. Und wenn ich mich zurück erinnere an die Lesung, hatten alle ihren Spass.»
Sardinien statt Strandtag
Nach der ersten Lesung war die Geschichte allerdings noch lange nicht fertig. Über Monate wurde aus der ursprünglichen Idee ein vollständiges Buch. Die entscheidenden Seiten entstanden schliesslich weit entfernt von Fläsch.
Während einer Leserreise des «Prättigauer & Herrschäftler» nach Sardinien nutzte Imhof den freien Tag anders als der Rest der Reisegruppe. «Als alle anderen die Insel am freien Tag erkundeten, schloss ich mich im Hotelzimmer ein und schrieb von früh morgens bis um 23.00 Uhr durch.»
Am Ende des Tages war ein entscheidender Teil der Arbeit geschafft. Was Monate zuvor zwischen den Fläscher Reben begonnen hatte, wurde auf einer Mittelmeerinsel zu Ende geschrieben.
Premiere im Alten Bad Pfäfers
«Schwellensprung» erscheint am kommenden Freitag im Qultur Verlag. Das Buch trägt die ISBN 978 3 9526347 3 8. Nach «Schwellenmomente» ist es Imhofs zweiter Thriller. Neben seiner Tätigkeit als Autor ist er Verleger und Journalist, Chefredaktor des «Prättigauer & Herrschäftler», Gründer und Herausgeber des Kulturmagazins «Qultur» sowie Initiant von «Graubünden schreibt». 2023 wurde er mit dem Förderpreis des Kantons Graubünden ausgezeichnet. Er lebt mit seiner Familie in Schiers.
Seine öffentliche Premiere erlebt «Schwellensprung» am kommenden Samstag im Alten Bad Pfäfers. Im Rahmen von «Die Rahmenhandlung» stellt Imhof seinen Thriller gemeinsam mit Jörg Rutz vor, der sein neues Werk «Dunkler Sog» präsentiert.
«Die Vorfreude darauf ist riesig», sagt Imhof. Für «Schwellensprung» schliesst sich damit vorerst ein Kreis: Die Geschichte wurde von den Reben der Bündner Herrschaft inspiriert, auf Sardinien fertiggeschrieben und kehrt für ihre erste öffentliche Präsentation wieder in die Region zurück.
