«Der Mensch muss im Fahrersitz bleiben»
Eine vielseitige Frau: Katrin Oettmeier aus Klosters.
Prättigau, Titelseite,Region
15. August 2026
Prättigau

«Der Mensch muss im Fahrersitz bleiben»

Von der Logistik über Führung und Coaching bis zur künstlichen Intelligenz: Katrin Oettmeiers Berufsweg verbindet Bereiche, die auf den ersten Blick wenig miteinander zu tun haben. Heute beschäftigt sich die Klosterserin mit einer Frage, die viele Unternehmen umtreibt: Wie können Menschen in einer Arbeitswelt bestehen, die sich durch KI und ständigen Wandel immer schneller verändert? Ihre Antwort beginnt nicht bei der Technologie, sondern beim Menschen.

Text/Fotos:Christian Imhof  

Aufgewachsen ist Katrin in einer Kleinstadt in Thüringen. Nach dem Abitur zog sie nach Mannheim, studierte Wirtschaftswissenschaften und entdeckte über die Praxis ein Thema, das sie bis heute begleitet: Prozesse. Ihr Weg führte sie zu Bosch in die Automobilindustrie und mitten hinein in Logistik und Supply Chain Management. «Man ist wie die Spinne im Netz. Alles muss funktionieren, damit am Ende der Kunde seine Ware bekommt.» Ohne Technologie keine Prozessoptimierung Bald wurde ihr klar, dass gute Abläufe allein nicht reichen. Während eines Einsatzes in Spanien fehlten ihr beispielsweise Daten und Transparenz. Oettmeier wusste zwar, welche Informationen sie brauchte, konnte technisch aber nicht darauf zugreifen. Also wechselte sie die Seite und ging in die IT. Sie wurde SAP-Beraterin (Person, die Softwareprodukte des Herstellers SAP einführt, anpasst und Prozesse optimiert) und arbeitete für grosse Unternehmen. Prozesse und Technologie rückten dabei immer mehr zusammen. Später kam eine dritte Ebene hinzu, die für sie heute mindestens ebenso wichtig ist: der Mensch. Nach der Promotion wechselte Katrin Oettmeier zur Firma Hilti nach Schaan. Dort rückte für sie Führung stärker ins Zentrum. Ihre erste grössere Führungsrolle begann unter schwierigen Umständen. Ihr Vorgänger starb völlig unerwartet mit Anfang 50. «Ich hatte kein Onboarding. Es war alles neu. Ich bin ins kalte Wasser und gleichzeitig ins Feuer gesprungen.» Dazu kamen Lieferkrisen und ein Alltag, in dem ständig neue Probleme auftauchten. Katrin merkte, dass gute Führung nicht erst beim Team beginnt. «Wenn ich bei jedem neuen Thema vor Schreck direkt aus dem Fenster springe, kann ich nicht mehr klar denken. » Sie erlebte Führungskräfte, die unter Druck gerieten und ihre Nervosität auf ganze Teams übertrugen. Für sie wurde daraus ein Grundsatz: «Wenn ich andere führen möchte, muss ich mich zuerst selber führen können.» Eine Begegnung, die vieles veränderte Der Weg zum Coaching hatte auch persönliche Gründe. Eine enge Bekannte, selbst Coach und in der Führungskräfteentwicklung tätig, war schwer krank und verlor zunehmend ihr Augenlicht. Schliesslich entschied sie sich für einen begleiteten Freitod mit Exit. Katrin hatte diese Frau als aussergewöhnlich stark erlebt. Sie war von ihr selbst immer wieder begleitet und gecoacht worden. Vor ihrem Tod überliess die Bekannte ihr ihre Arbeitsunterlagen. Diese Erfahrung verstärkte Oettmeiers Wunsch, sich mit Coaching und persönlicher Entwicklung zu beschäftigen. Gleichzeitig kannte sie die Risiken eines Arbeitslebens unter permanentem Hochdruck. «Ich wollte nicht irgendwann in ein Burnout hineinrutschen. Ich kenne dieses High-Pressure-Umfeld und weiss, dass man sehr auf sich aufpassen muss.» Sie begann eine Ausbildung im systemischen Coaching. Aus dem Reinschnuppern entstand mit der Zeit ein neuer beruflicher Schwerpunkt. Doch die mentale Ebene allein genügte ihr irgendwann nicht mehr. «Eigentlich fängt Selbstführung beim Körper an.» Wer körperlich ständig unter Stress steht, könne mental nur begrenzt souverän reagieren. «Ich muss mich zuerst selber beruhigen und regulieren können, bevor ich überhaupt klar denken kann.» So kam Ayurveda hinzu.

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