Volle Kurse, leere Kassen: Wer zahlt fürs Tüfteln?
In Landquart ist ein Lego-Nachmittag im Nu ausgebucht, beim Kinderlab stehen 18 Kinder auf der Warteliste und der Ferienkurs der Pädagogischen Hochschule kostet 300 Franken. Das Interesse der Kinder an Technik ist da. Die Frage ist, wer die Förderung bezahlt.
«Wie wollen wir jetzt das mit der Rotation lösen?» Am Tisch beim Fenster stecken drei Köpfe über einem halbfertigen Windrad zusammen. Einer schlägt ein grösseres Zahnrad vor, der Zweite hat «noch eine andere Idee», der Dritte verteilt die Arbeit: «Das mit den dünnen Kabeln machst besser du.» Es ist Dienstagnachmittag in den Sommerferien, Schulstrasse 15 in Landquart. 17 Kinder zwischen 9 und 13 Jahren bauen in Teams Wind- und Wasserräder, Zuglokomotiven und Häuser aus Klemmbausteinen. Sie verlegen Kabel, testen Antriebe und konstruieren. Wer nicht weiterkommt, holt sich Rat bei Katja und Patrik Rappo. Das Ehepaar führt an dieser Adresse das Begegnungscenter Bildung Brainy und leitet den Nachmittag im Rahmen des Ferienpasses. Drei Franken kostet der Kurs. Die Plätze waren rasch weg. «Auch dieses Jahr war die maximale Teilnehmerzahl sehr schnell erreicht. Aufgrund der grossen Nachfrage haben wir die Anzahl Plätze sogar leicht erhöht », erzählt Patrik Rappo. Wie viele Anmeldungen eingingen, weiss er nicht, aber es waren deutlich mehr, als Platz hatten. Schon bei der Premiere vor zwei Jahren organisierten die Rappos kurzerhand einen zweiten Kurstag, weil der erste innert Kürze ausgebucht war. «Zusätzlich erhalten wir das ganze Jahr über immer wieder Anfragen von Eltern, wann der nächste Kurs stattfindet.» Patrik Rappo kam über die Berufsbildung zur Arbeit mit Jugendlichen. Beim Netzbauer Cablex baute er das Lehrlingswesen auf und entwickelte das Berufsbild Netzelektriker Kommunikation mit. Vor rund acht Jahren machte er das Coaching zum Geschäft, zunächst nebenberuflich. Heute beschäftigt Brainy zwölf Personen an fünf Standorten, arbeitet mit Betrieben und als Partner der IV. Das Kerngeschäft sind Nachhilfe und Prüfungsvorbereitung nach einem selbst entwickelten Lernkonzept. Angebote in Mathematik, Informatik, Naturwissen- schaft und Technik, kurz MINT, laufen sporadisch nebenher. Es sind jene Felder, in denen die Wirtschaft seit Jahren über fehlenden Nachwuchs klagt. «Mir ist es ein Anliegen, Jugendliche nicht nur auszubilden, sondern zu entwickeln », sagt Rappo. Warum sie hier sind, erklären die Kinder selber: «Ich liebe Lego, deshalb habe ich mich angemeldet.» Oder: «Mich interessiert Technik.» Eines hat in der Schule schon Lego-Roboter programmiert und wollte mehr davon. Viele andere erzählen, im Unterricht sei Derartiges nie vorgekommen. Auffällig ist die Zusammensetzung der Gruppe: 15 Buben, zwei Mädchen.