Fische kämpfen bereits Ende Juni ums Überleben
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26. Juni 2026

Fische kämpfen bereits Ende Juni ums Überleben

Die Hitze erreicht am Wochenende ihren vorläufigen Höhepunkt. Für die Fische in unseren Gewässern hat die kritische Phase jedoch längst begonnen.

Nach einem aussergewöhnlich trockenen Frühjahr, seit Monaten tiefen Grundwasserständen und anhaltend tiefen Abflüssen erwärmen sich zahlreiche Bäche und Flüsse bereits Ende Juni auf kritische Temperaturen. Was oberhalb der Wasseroberfläche nach Sommer aussieht, bedeutet darunter für viele Fische bereits den Kampf ums Überleben. Der Schweizerische Fischerei-Verband (SFV) warnt vor einer weiteren Verschärfung der Lage und fordert rasches Handeln, für den Schutz der Fische heute und widerstandsfähigere Gewässer morgen.

Dieses Jahr unterscheidet sich deutlich von früheren Trockenjahren. Nicht allein die Hitze bereitet Sorgen, sondern ihr ungewöhnlich früher Zeitpunkt. Bereits seit März liegen die Grundwasserstände in weiten Teilen des Mittellandes deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt. Viele Quellen schütten weniger Wasser aus, kleinere Fliessgewässer führen aussergewöhnlich wenig Wasser und selbst grössere Flüsse verlieren zunehmend ihre kühlende Wirkung.

Für kältebedürftige Fischarten wie Forellen und Äschen wird diese Entwicklung zunehmend existenziell. Mit steigender Wassertemperatur sinkt der Sauerstoffgehalt im Wasser, gleichzeitig steigt der Stoffwechsel der Fische. Die Tiere benötigen mehr Sauerstoff, erhalten aber immer weniger davon. Bereits Wassertemperaturen ab rund 20 Grad bedeuten erheblichen Stress. Oberhalb von 23 Grad wird die Situation kritisch. Halten Temperaturen von 25 Grad oder mehr über längere Zeit an, drohen Fischsterben.

«Noch nie standen wir bereits Ende Juni vor einer derart angespannten Situation. Viele Gewässer haben ihre Reserven schon vor Beginn des Hochsommers aufgebraucht. Selbst wenn nach der aktuellen Hitzewelle Regen fällt, wird sich die Lage nicht sofort entspannen. Die Trockenheit sitzt tief im System. Genau deshalb müssen wir in Zukunft alles daransetzen, unsere Gewässer widerstandsfähiger zu machen. Intakte, vernetzte und strukturreiche Gewässer sind der wirksamste Schutz für unsere Fischbestände, nicht nur in diesem Sommer, sondern auch in den kommenden Jahrzehnten.» – So die Aussage von Adrian Aeschlimann, Geschäftsführer Schweizerisches Kompetenzzentrum Fischerei (SKF)

Fischer und Behörden stehen im Dauereinsatz

In zahlreichen Kantonen überwachen Fischereifachstellen, Gewässerfachleute und Fischereivereine die Situation täglich. Wo nötig werden Fische aus austrocknenden Bachabschnitten gerettet, Kaltwasserzonen geschützt oder besonders empfindliche Gewässerbereiche abgesperrt. Diese Einsätze bleiben für die Öffentlichkeit oft unsichtbar, sind für viele Fischbestände jedoch überlebenswichtig. Allein im Kanton Bern mussten seit Jahresbeginn auf 26 Kilometern Gewässern Notabfischungen durchgeführt werden. Rund 15’000 Fische wurden gemeinsam vom kantonalen Fischereiinspektorat und den lokalen Fischereivereinen in geeignete Gewässer umgesiedelt.

Die Erfahrungen der vergangenen Trockenjahre zeigen: Solche Sofortmassnahmen können lokale Fischsterben abschwächen, verhindern können sie sie jedoch nicht, wenn Trockenheit und Hitze über längere Zeit anhalten.

Die Bevölkerung kann mithelfen

Auch die Bevölkerung kann einen wichtigen Beitrag leisten, um die ohnehin stark belasteten Gewässer nicht zusätzlich unter Druck zu setzen.

• Badeverbote und gesperrte Gewässerbereiche konsequent respektieren.

• Keine Staudämme in Bächen bauen.

• Hunde möglichst nicht in Bächen baden lassen.

• Auf unnötige Freizeitaktivitäten in flachen Gewässerabschnitten verzichten.

• Wasser sparsam verwenden und die kantonalen Einschränkungen beachten.

• Austrocknende Bäche oder Fischsterben umgehend den zuständigen Behörden melden.

Jetzt die Gewässer fit für die Zukunft machen

Trockenperioden und Hitzewellen sind längst keine Ausnahme mehr. Sie gehören zunehmend zur Realität und stellen unsere Gewässer vor Herausforderungen, für die viele von ihnen heute nicht gerüstet sind. Notfallmassnahmen helfen kurzfristig, langfristig brauchen die Fische jedoch Gewässer, die mit solchen Extremen besser umgehen können.

Der Schweizerische Fischerei-Verband fordert deshalb Bund, Kantone und Gemeinden auf,

• Revitalisierungen konsequent zu beschleunigen und den Gewässern wieder mehr Raum zu geben;

• Ufer stärker mit standortgerechten Bäumen und Sträuchern zu beschatten;

• tiefe Kolke, Seitenarme und grundwassergespeiste Rückzugsräume zu erhalten oder neu zu schaffen;

• die Wiederherstellung der freien Fischwanderung konsequent umzusetzen, damit Fische bei Trockenheit kühlere und wasserreichere Lebensräume erreichen können;

• Wasserentnahmen aus sensiblen Fliessgewässern bei kritischen Situationen frühzeitig einzuschränken und das Trockenheitsmanagement schweizweit weiter zu stärken.

Jeder revitalisierte Bach, jede beschattete Uferstrecke und jedes beseitigte Wanderhindernis erhöht die Überlebenschancen der Fische. Die aktuelle Trockenheit ist deshalb nicht nur ein Alarmsignal, sie ist ein Auftrag, unsere Gewässer endlich fit für die Zukunft zu machen.

Text/Bild: Alexander Roschi

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